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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 14

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
Voraussetzungen jüdischer Auswanderungspolitik
Date
1936-04-01
Page
14 (sequence 5)
Language
German
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Arthur Prinz rungspolitik aber hätte die innere Bejahung von Zielen vorausgesetzt, die außerhalb Deutschlands und damit auch außerhalb des geistigen Raumes der liberalen Juden lag. Wenn heute auch Gruppen dieser Kreise sich zur geschlossenen Auswanderung entschließen, so ist das Verbindende doch nur das Bewußtsein gemeinsamer Herkunft, nicht der Wille zu einer bestimmten gemeinsamen Zukunft. Vielmehr muß die Zukunft offensichtlich das einigende geistige Band immer mehr schwächen und die Gemeinschaft in Frage stellen. Aber wie ein solches Experiment auch immer ausgehen möge — es bliebe ohne grundsätzliche Bedeutung und änderte nichts an der Tatsache, daß von der Welt des liberalen deutschen Judentums schwerlich eine Brücke zu einer bewußt jüdischen Auswanderungspolitik führen kann. V. Die einzige Richtung in Deutschland, die eine wirkliche jüdische Wanderungspolitik treiben kann, weil sie die weltanschaulichen Voraussetzungen dazu besitzt, ist der Zionismus. Er weist dem Auswanderer nicht nur Wege, sondern ein Ziel, und dieses Ziel bleibt in seinen Augen auch dann noch groß und herrlich, wenn ihm selbst vorläufig der Weg dahin versperrt ist. Hier ist nicht nur ein geographisches Ziel gegeben, sondern ein geistiges; der auswandernde Zionist ist im allgemeinen durch langjährige Erziehung so weit vorgebildet, daß er das Bewußtsein und Gefühl hat, eine weit über seine Existenzerhaltung hinausgehende überpersönliche Aufgabe durch sein Leben im Lande zu erfüllen. Und während bei der Förderung der Auswanderung außerhalb Palästinas humanitäre und wirtschaftliche Erwägungen — Rettungsversuche für zusammengebrochene und gefährdete Existenzen — ausschlaggebend sind, ist für den zionistischen Politiker der Einzelne nur Mittel zum Zweck — zum Aufbau Erez Israels, der ohne schwere Opfer nicht zu erreichen ist und sozusagen auch nicht erreicht werden dürfte. Daß unter diesen Umständen die zionistischen Führer, mit einem solchen Ziel vor Augen und mit Hunderttausenden von begeisterten und opferwilligen Anhängern hinter sich, auf die plan- und ziellose Auswanderung nach anderen Ländern mehr oder weniger geringschätzig herabsehen, ist gewiß kein Wunder. Haben doch überhaupt die Ereignisse der letzten Jahre dazu beigetragen, das politische Selbstbewußtsein der Zionisten gewaltig zu steigern. Bildet nicht das Schicksal des deutschen Judentums die schlagendste Bestätigung der alten zionistischen Erkenntnis von der Unsicherheit der jüdischen Existenz in der Galut? Und erwies sich nicht schon das bloße Dasein der Nationalen Heimstätte in der dunkelsten Stunde des deutschen Zionismus als heller Hoffnungsstrahl, als Quell seelischer Kraft selbst für die vielen Zehntausende, 14

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