Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 1 (April 1936)
- Article
- Voraussetzungen jüdischer Auswanderungspolitik
- Date
- 1936-04-01
- Page
- 12 (sequence 3)
- Language
- German
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Arthur Prinz Hingabe möglich. Auch die genannten Institutionen ständen freilich den Schwierigkeiten ohnmächtig gegenüber, könnten sie sich nicht auf die Mitarbeit großer internationaler jüdischer Organisationen wie der Hicem und vor allem auf die täglich neu bewährte Hilfsbereitschaft und Solidarität Tausender von einzelnen Juden in den Einwanderungsländern stützen. III. Suchen wir so der oft angefeindeten und verkannten Arbeit solcher Organisationen wie der Reichsvertretung (in deren Händen vor allem die Leitung der Berufsumschichtung liegt) und des Hilfsvereins gerecht zu werden, so darf uns dies keineswegs an der Erkenntnis hindern, daß bei keiner dieser Organisationen von einer eigentlichen Wanderungs p o 1 i t i k die Rede sein kann. Die Arbeit des Hilfsvereins, der unter Zustimmung und tätiger Mithilfe der Reichsvertretung die Auswanderung nach allen nichtpalästinensischen Ländern leitet, macht seinem Namen Ehre: denn er hilft den Menschen bei der Durchführung ihrer Auswanderungsvorhaben mit sachkundigem Rat und häufig auch mit Geld. Er ist unter den gegenwärtigen Umständen froh, wenn er den Ratsuchenden sagen kann, wohin und wie sie auswandern können; wohin sie aber auswandern sollen, würde er sich niemals anmaßen zu entscheiden. Der Hilfsverein zeigt also Mittel, setzt aber keine Ziele; und wie könnte er das auch bei seiner tatsächlich durchaus unpolitischen Zusammensetzung, die Vertreter der verschiedensten jüdischen Richtungen und Organisationen vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten bis zu den Zionisten und von den Orthodoxen bis zu den religiös Indifferentesten umfaßt? Wie wäre unter so verschiedenen Köpfen eine einheitliche Willensbildung über die fernere Zukunft der Auswanderer, über Sinn und Ziel einer Auswanderungspolitik überhaupt möglich? Das zwingende Gebot der Stunde, unter schwierigsten Verhältnissen Tausende von jüdischen Menschen, die hier wirtschaftlich ungesichert sind, zu retten und ihnen neuen Boden unter die Füße zu geben, stellt den Hilfsverein vor eine große und lohnende Aufgabe und führt die Vertreter aller noch so verschiedenen politischen und religiösen Richtungen zu einträchtigem Wirken zusammen. Wäre aber die Not weniger groß, hätten wir mehr Auswahl zwischen verschiedenen Wanderungsmöglichkeiten, statt auf die Ausnutzung fast jeder noch so geringen Chance angewiesen zu sein, so würde sich das Fehlen jeder einheitlichen Vorstellung von der erstrebenswerten Zukunft der Auswanderer notwendigerweise sofort bemerkbar machen. (Um dies mit einem naheliegenden und wichtigen Beispiel zu beleuchten: die Geschichte der jüdischen Wanderungen in neuerer Zeit zeigt immer wieder das Phänomen der Zusammenballung riesiger Einwanderermassen im Eingangshafen oder in der Hauptstadt des Landes: so in New York, Buenos Aires, Rio de Ja- 12