Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 1 (April 1936)
- Article
- Voraussetzungen jüdischer Auswanderungspolitik
- Date
- 1936-04-01
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Arthur Prin:: Voraussetzungen jüdischer Auswanderuncjspolitik sende von Staatenlosen, die keine Arbeitsbewilligung mehr erhalten, der tägliche Ansturm auf die Auswandererberatungsstellen fast im ganzen Reich, das brennende Interesse, mit dem selbst die kleinste Nachricht über angebliche Einwanderungsmöglichkeiten irgendwo auf der Welt sofort aufgegriffen wird — all dies beweist, daß der jüdische Auswanderungsdrang, der Ende 1933 nachgelassen hatte, um erst im Spätsommer und Herbst 1935 wieder mächtig anzuschwellen, heute eine Stärke erlangt hat wie höchstens in der ersten Panik vor drei Jahren. Während aber 1933, in der Revolution, Furcht und Schrecken vor einem ungewissen Schicksal das vorherrschende Motiv der Auswanderung waren, und viele, mit der Hoffnung auf baldige Rückkehr im Herzen, die nächste Zukunft in den Nachbarländern abwarten wollten, ist sich heute wohl jeder Auswanderer vollkommen darüber klar, daß er der alten Heimat für immer den Rücken kehren und eine neue suchen muß. Die heutige Auswanderung besteht aus Menschen, die im allgemeinen nicht nur sprachlich und beruflich besser vorbereitet sind als der „Emigrant" von 1933, sondern die vor allem auch seelisch ihrem Schicksal klarer und entschlossener gegenüberstehen. II. Wer die Arbeit derjenigen jüdischen Organisationen kennt, die für die nichtpalästinensische Auswanderung von entscheidender Bedeutung sind, das heißt also der Reichsvertretung und des Hilfsvereins, der weiß die Fülle praktischer Arbeit zu schätzen, die dort für die Berufsumschichtung, Orientierung, Beförderung und Unterbringung dieser Auswanderer Tag für Tag geleistet wird. Ergibt sich doch schon eine gewaltige Arbeit aus der anormalen Berufsgliederung, d. h. aus dem Überwiegen kaufmännischer und intellektueller Berufe, während in fast allen Einwanderungsländern in erster Reihe selbständige Siedler und industrielle Unternehmer mit Kapital erwünscht sind, in zweiter Linie Handwerker und gelernte Arbeiter. Hierzu kommen die unendlichen Schwierigkeiten, die aus den immer wieder abgeänderten Bestimmungen über Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Dutzenden von Ländern, und nicht zuletzt aus den Velieitäten mancher Konsuln bei der Erteilung von Visen entspringen; all dies wird aber bis zur Unerträglichkeit kompliziert durch die deutsche Devisennot, die es heute selbst einigermaßen bemittelten Auswanderern oft unmöglich macht, das von den Regierungen vieler Einwanderungsländer verlangte Vorzeigegeld selbst aufzubringen. Unter solchen Umständen jeden Monat Tausende von Auswanderungswilligen nicht einfach abzuschrecken, sondern wenn irgend möglich positiv zu beraten, und darüber hinaus Hunderten von Bedürftigen auch noch finanziell zur Auswanderung zu helfen, ist wahrhaftig keine geringe Leistung, sondern nur durch jahrzehntelange Erfahrung und immer erneute //