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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 7

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
Wissenschaft vom Judentum
Date
1936-04-01
Page
7 (sequence 3)
Language
German
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Wissenschaft vom Judentum meinsamen Werke der Menschheit bewähren; sie müssen sich und ihr Prinzip auf den Standpunkt der Wissenschaft erheben, denn dies ist der Standpunkt des europäischen Lebens." In dieser Bestimmung der Wissenschaft des Judentums ist bei aller Zeitgebundenheit der einzelnen Zielsetzungen eines konstant: Gegenstand der Wissenschaft des Judentums ist die Totalität des Jüdischen in allen seinen Erscheinungsformen. Was an Jüdischem außerhalb der Wissenschaft bleibt, was ihr nicht zugänglich ist oder ihr den Zugang versperrt, bleibt außerhalb der Wahrheit des Jüdischen. Um diese Totalität des Jüdischen bemühen sich die zahlreichen Wissenschaftspläne, die damals aufgestellt wurden, und besonders die, welche der Culturverein besprochen hat. An zwei Beispielen läßt sich deutlich erweisen, daß es sich bei diesem Wechselverhältnis zwischen Wissenschaft des Judentums und dem wahrhaft Ganzen des jüdischen Lebens um eben den Gedanken des Ganzen und nicht um nebeneinander gestellte Einzelausschnitte handelt. Einmal läßt sich das an Zunz' Versuch zeigen, die Errichtung eines Lehrstuhls für die Wissenschaft vom Judentum zu erreichen. Die Professoren, die den.Antrag prüften und ablehnten, indem sie nachwiesen, daß die einzelnen Fächer bereits ausreichend auf vorhandene Professuren aufgeteilt seien, mißverstanden seinen Sinn. Männer wie Ranke oder Boeckh, die damit befaßt waren, widersprachen hier ihren eigenen Positionen. Denn darum ging es ja eben, daß das Ganze und Einheitliche nicht mehr das Ganze war, wenn man es in Fächer aufteilte, für die der evangelische Theologe oder der Historiker zuständig war. Und zweitens tritt die Absicht, die Gesamtheit des Jüdischen im Auge zu behalten, in den pädagogischen Absichten des Culturvereins in Erscheinung. Bei den aufgestellten Schul- und Bildungsplänen ist den Verfassern wohl bewußt, daß kein Unterrichtsfach draußen bleiben kann, weil es seinem Inhalt nach nicht eigentlich jüdisch sei. Deutlich ist der Gedanke herausgekehrt, daß alle erzieherische Bemühung auf den ganzen Menschen gehe, bei dem alle Anlagen und Fertigkeiten, die mitgegebenen und die anerzogenen, organisch zusammenhängen. Dieses Wort „organisch" kennzeichnet am besten die Auffassung von Wissenschaft und Judentum in der Frühzeit jüdischer Wissenschaft In Zunz' 1855 erschienenem Buch „Die synagogale Poesie des Mittelalters" tritt noch der „Volksgeist" der romantischen Wissenschaft auf, aus dem die verschiedenen Äußerungen in sich selbst und unter sich einheitlich entspringen. Ein gemeinsamer Strom des Lebens fließt durch alle Äußerungen einer Gemeinschaft, die eben dadurch als solche in ihrer Individualität bestimmt ist. Die Wissenschaft hat sie zu bestimmen und ins Licht des Bewußtseins zu rücken. Solche wissenschaftliche Erfassung aber ist Aufgabe historischer Wissenschaft. „Ist es denn möglich, 7

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