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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 535

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Die Bibel als Erzähler
Date
1936-03-01
Page
535 (sequence 6)
Language
German
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Die Bibel als Erzähler nomastische Dialogstil: so wenn Abraham in dem Abschnitt, in dem offenbar die urweltliche Anwartschaft Jerusalems auf den Rang der kultischen Weltmitte erwiesen werden soll (14, 18 ff.), den Gegenanruf Malkizedeks paronomastisch in seiner Antwort an den anderen anwesenden König, den von Sodom, übernimmt. Im Namen des „Hohen Gottes, Stifters von Himmel und Erde", hatte ihn Malkizedek gesegnet, und Abraham vollzieht einen religionsphänomenologisch bedeutsamen Identifikationsakt, indem er, wie um die allzeitliche Selbigkeit der auf dem Moria verehrten Gottheit auszusprechen und zugleich den wahren Namen als den ihm offenbarten zu bekennen, dem Tetragramm die von Malkizedek gebrauchte Gottesbezeichnung appositioneil folgen läßt. Verwandter Art, wiewohl nicht der Gattung der „vorgetragenen", also vom Erzähler dem bewußten Handeln seiner Personen zugeschriebenen Paronomasie zuzuzählen ist die eigentümliche Wiederkehr des Leitworts mischpat im 18. Kapitel. Um sie nicht nach der Weise des geläufigen Bibellesers für beiläufig zu halten, muß man sich zunächst vergegenwärtigen, daß das Wort mischpat im Genesisbuch außer einer einzigen Stelle (im 40. Kapitel) nur an diesen beiden, 6 Verse voneinander entfernten zu finden ist. Die erste steht in jenem Selbstgespräch Gottes, in dem er die Verheißung, in Abraham, in seinem „Stamm" würden sich „alle Stämme der Erde" segnen (nur hier sind solcherweise der eine Stamm und die Weltstämme nebeneinander genannt), zu sich selber spricht. Gott sagt, er habe ihn „erkannt", d.h. in biblischer Sprache: ihn in der Erwählung in die Intimität der gegenseitigen Beziehung gezogen, wie es vor ihm keinem und nach ihm erst Mosche wieder (in noch gesteigertem Ausdruck, s. II. M. 33, 12,17) zuteil wird. Als die Absicht dieses Erkennens und die Bedingung des Segens wird nun gesagt: „auf daß er entbiete seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm . . .", und darauf folgt, Gott nicht mehr in erster, sondern in dritter Person nennend, also objektiviert: „sie sollen wahren SEINEN Weg, Wahrheit und Recht zu tun": zedaka (Übereinstimmung des Handelns mit der wesenhaften Aufgabe Bewährung, Wahrhaftigkeit, Wahrheit) und mischpat. Deshalb, der Gegenseitigkeit halber, will Gott dem Abraham nicht verhüllen was er tun wird; er teilt ihm mit, daß über Sodom Gericht gehalten werden soll, und schließt seine Rede mit dem Wort „erkennen" im sehr anderen und doch jenem nicht unentsprechenden Sinn: er will sich mit der Wirklichkeit der sündigen Völkerschaften vertraut machen, und zwar in der Gestalt seiner Boten, die allein auf Sodom zu gehen. Mit dieser Kundgebung, mit der er Abraham zugleich eröffnet, wer als sein Gast von seinem Brote aß (von diesem gar nicht „idyllischen", sondern mehr als sakramentsgewaltigen Anthropomorphismus zehrt die Menschheit noch heute), ruft er Abrahams fürbittendes Rechten hervor, der nun als 535

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