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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 533

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Die Bibel als Erzähler
Date
1936-03-01
Page
533 (sequence 4)
Language
German
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Die Bibel als Erzähler Chaldäa führte" von 15, 7 — in dem Abschnitt, darin das ägyptische Exil angekündigt wird! — und das „ICH bin dein Gott, der ich dich führte aus dem Land Ägypten" des Dekalogs. Sie gehört in die bedeutsame Reihe der Bezüge zwischen dem Leben der Stammväter und der Geschichte des Stammes, die einmal eingehend behandelt werden sollte2). Mehrfach begegnen wir einer paronomastischen Vermittlung zwischen zwei benachbarten Erzählungen. Die volksetymologische Paronomasie von migen, 14, 20, und magen, 15, 1, fällt wohl jedem aufmerksamen Leser auf: dort der den Feind „ausliefernde" Sieg, hier nach dem Sieg eine offenbar tiefere Furcht und die Zusage des „Schilds". Weniger ist eine andere Stelle beachtet worden. In der vierten, mittleren Offenbarung, der einzigen, deren Bericht in der Sprache der prophetischen Bücher gehalten ist, wohl weil es die einzige ist, in der eine geschichtliche Zukunft des Volkes im genauen Sinn angesagt wird, steht (15,13) das erstemal in dem Buch . der Wortstamm ana, drücken oder beugen, und zwar vom Handeln der Ägypter an Israel: „dienstbar machen wird man sie und sie drücken". In der nächstfolgenden Erzählung, der von Hagars, der Ägypterin, Flucht steht es dreimal, 16, 6, 9 und 11, um bis zum 29. Kapitel nicht wieder vorzukommen. Ist es Zufall, daß es hier um eine „ägyptische Magd" (16, 2, wiederholt V. 3) geht, die „gedrückt" wird, und daß ihre Geschichte auch noch mit dem Wort „Ägypten" (21, 21) schließt? Oder liegt nicht auch hier eine seltsame Verknüpfung von Vätergeschichte und Volksgeschichte vor? Die Erzählung von Hagar gehört ja in dieselbe Kategorie wie die von Jaakobs Betrug an seinem Bruder: dem teleologischen Charakter des Genesisbuches nach tut Ssara, da Jischmael von der Verheißungsnachfolge ausgeschieden werden soll, objektiv das Rechte und Gott selber bestätigt es (21, 12); aber für die biblische Glaubenswahrheit, die einer Verdeckung des Mitmenschen durch Gott widerstrebt und das menschliche Unrecht nicht durch Gottes Recht verhüllen läßt, tut sie eben doch unrecht; und wie bei Jaakob kann dies nicht explizit gesagt werden, aus theologischen und aus epischen Gründen nicht. Erzählerisch implizit wird viel gesagt. Diese ägyptische Magd ist der erste Mensch, dem ein „Bote" Gottes — dessen jeweils personwerdendes Eingreifen — erscheint und ihn anspricht. Als wie gewichtig das anzusehen ist, äußert sich in dem dreimal, Vers auf Vers, wiederholten „SEIN Bote sprach zu ihr". Aber nicht vom Himmel her, wie in der zweiten Hagarerzählung, der Erzählung von dem zum Sterben hingeworfenen Knaben Jischmael, und wie in der im nächsten Kapitel folgenden 2) In sehr dankenswerter Weise ist das inzwischen von Umberto Cassuto, La questione delia Genesi (Florenz 1934), S. 365 ff. für das 14. Kapitel geleistet worden. 533

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