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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Die Bibel als Erzähler
Date
1936-03-01
Page
532 (sequence 3)
Language
German
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Martin Buber Abraham steht: „mit ihm werdensich segnen alle Stämme der Erde", also eine Verknüpfung des Prädikats des ersten Spruchs mit dem Subjekt des zweiten, — aber nicht in einer Anrede, sondern im Selbstgespräch Gottes. An Jizchak wird sich das Wort in der einen Verbalform (26, 4), an Jaakob in der anderen (28, 4) wiederholen. Die Entsprechungsverknüpfung kann nicht bloß zwischen zwei Abschnitten der Abrahamsgeschichte, sondern auch zwischen ihr und einer anderen Geschichte walten. Am deutlichsten zwischen dem Bund mit Abraham und dem Bund mit Noach, zwischen den beiden vorsinaitischen göttlichen Bundesschlüssen also. Zunächst sind die beiden Personen durch Leitworte parallelisiert: dem tamim und dem hithallech von 6, 9 entsprechen das hithallech und das tamim von 17, 1. Merkwürdig ist dabei freilich, daß dort Indikative und hier Imperative stehen, als ob Eigenschaften und Haltungen Noachs dem Abraham als Aufgaben zugesprochen würden; aber „vor jemand einhergehen" ist Größeres als „mit jemand umgehen", denn es bedeutet nicht bloß treue Gesellung, sondern eben den tätigen H eroldsdienst, den Abraham durch Kanaan ziehend und Gottes Namen ausrufend übte (12, 8; 13, 4; 21, 33, das Letztere mit seiner Proklamation des el olam offenbar auf die Philister zu gemeint); und für das „ein ganzer Mann unter seinen Geschlechtern" möchte ich allen Ernstes der Ansicht Rabbi Jochanans (Sanhedrin 108 a) beipflichten, es sei mit dem merkwürdigen Ausdruck eine kritische Relativierung angedeutet, und zwar anscheinend mit einer nur hier erhaltenen Wendung, deren genauen Sinn wir daher nicht kennen1). Nun aber die Bundesschlüsse selbst: der mit der neuen Menschheit nach der Flut und, nach deren erneutem Versagen, der mit dem erwählten Vater eines einzelnen Stammes. Man achte darauf, wie die Ungleichheit hier in Gleichheit gebettet ist: gleich das „Ich errichte meinen Bund", gleich die dröhnende Wiederkehr des Wortes brit siebenmal in der Gottesrede 9, 9—17, zehnmal in der Gottesrede 17, 1—14 (mit dreifacher Nacherwähnung 17, 19, 21), dort und hier (dort einmal, hier zweimal) zum „Weltzeit-Bund" (dort und hier an vorletzter Stelle genannt) verstärkt, dort und hier die Anrufung des „Samens", dort einmal, hier situationsgemäß fünfmal nacheinander „dein Same nach dir", und schließlich dort und hier das „Zeichen des Bunds", dort freilich das menschheitsallgemeine, öffentliche, kosmische und flüchtige, hier das stammesbesondere, verborgene, körperliche und dauernde, dort jeweils von Gott, hier vom Menschen gesetzt. Nur erwähnen will ich als Beispiel eine Entsprechungsverknüpfung nach vorn: das „ICH bins, der ich dich aus Ur in!) Wenn B. Jacob mit seiner ingeniösen Annahme recht hat (Genesis S. 267), es seien die zwei Weltalter, die in Noachs Leben zusammentrafen, gemeint, könnte man verstehen: für einen Menschen einer so fragwürdigen „Übergangszeit" war er tamim zu nennen. 532

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