Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Die Araberfrage
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 504 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Y. ben-Gavriel (Jerusalem): Die Araberfrage und Wechselströmen englisch-arabischer Tagespolitik, um schließlich eines Tages darin zu zerschellen. Eine der wichtigsten Grundlagen unserer politischen Tätigkeit muß daher die Erkenntnis sein, daß hier europäische Einteilungen, europäische Maße und europäische Methoden letzten Endes versagen müssen. Die Re-orientalisierung des jüdischen Volkes in Palästina muß mit dem ersten Satz des ersten Wortes und mit dem ersten Gedanken zur ersten Tat einsetzen. Unsere Situation dabei ist mit keiner anderen der Erde vergleichbar, wie die Nationalitätenfrage Palästinas keiner anderen in irgendeinem Mehrnationenland gleicht. Hier stehen einander zwei Volkskörper gegenüber, die zwar beinahe gleichen Ursprungs sind, aber ihren historischen Augenblick, den Moment des bestimmenden Geöffnetseins, unter durchaus anderen Umständen und zu durchaus anderen Zeiten erlebten. So sind die beiden Lager nicht nur sprachlich, religiös, weltanschaulich voneinander geschieden, sondern auch in ihrer sozialen Struktur fast unvorstellbar verschieden. Daraus ergibt sich, daß, neben wirklich vorhandenen Anlässen, ein aus der, Unkenntnis des andern Teils entspringendes Mißtrauen die politische Haltung der großen Masse bestimmt, das Schlagworte des Tages mit Ewigkeitsgloriole umgeben möchte. Die Lösung der fast unlösbaren Araber- oder Judenfrage in Palästina ist aber die Voraussetzung der Existenz Palästinas als geordnetes Gemeinschaftswesen. Über die axiomatische Wichtigkeit dieser Tatsache kann keine Prosperity, keine englische Besatzung und keine Pause in der Politik hinwegtäuschen. Es ist ausgeschlossen, daß auf die Dauer in ein und demselben Lebensraum zwei voneinander beinahe restlos getrennte Wirtschaftskörper existieren können, wie es sinnlos ist, den Versuch zu wagen, Palästina anders aus dem großen arabischen Lebensraum herausheben zu wollen denn als binationales, aber autonomes Gebiet innerhalb der künftigen großarabischen Union. Sicherlich sind wir heute in der Zeit der Unfertigkeit an die englische Politik gebunden, aber jeder Plan, den Zustand des Schutzjudentums, einen Tropenhelm-Zionismus zur ständigen Einrichtung zu machen, mit englischen Bajonetten, überhaupt mit Bajonetten das nationale Heim zu sichern, ist organisierter Selbstmord. Der Zionismus kann nur dann in seinem einzigen Wirkungsraum konstruktiv sich verewigen, wenn der Ausgleich von Volk zu Volk durchgeführt wird; England kann und sollte dabei Mittler sein, doch darf Englands Rolle nicht Voraussetzung sein. Der Binnensolidarismus des jüdischen Jischuw muß in einen gesamtpalästinensischen, ja in einen pansemitischen Solidarismus münden. Das heißt, die tastenden Schritte, die eben jetzt in der arabischen Welt geschehen, um die arabischen Völker einander zu nähern, müssen uns mahnen, im richtigen Augenblick un- 504