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Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 502

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Die Araberfrage
Date
1936-02-01
Page
502 (sequence 4)
Language
German
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M. Y. ben-Gavriel (Jerusalem) einem neuen Mahdi Möglichkeiten hätte geben können, fehlte, noch mehr aber, weil kein Mahdi dahinter stand. El Kasim war ein verbitterter, nur im kleinen Kreis wirkender Mann, dem alle Eigenschaften fehlten, die den tapferen Soldaten vom überlegenen Strategen scheiden. Die Führer der arabischen Parteien aber, fast durchweg Advokaten und Kaufleute, haben sich die Politik mit der dem modernen Araber eigenen Leidenschaft als Lebensinhalt erkoren. So diente El Kasims Opfertod doch nur zum Objekt politischer Propaganda. Die Politik der arabischen Parteien aber bleibt weiter eine Politik der Berufspolitiker ohne besondere Aufbauwünsche, die von der nachdrängenden, nach europäischen, vor allem aber nach jüdischen Mustern geschulten Jugend in steter Bewegung gehalten werden. Diese Politik stellt sich, neben ehrlichem nationalem Ringen, als ein niemals zugegebener, mitunter gar nicht erkannter Existenzkampf jener Kaste dar, die bisher allein die arabisch-palästinensische Politik führte: der Effendis, der Latifundienbesitzer. Dieser Kampf muß sich gegen die unaufhaltsamen europäischen Methoden richten, deren Wirtschaftssystem die Grundlagen des arabischen Großgrundbesitzes bedroht. Der Kampf dieser Kaste, praktisch weit weniger als programmatisch gegen die englische Fremdherrschaft gerichtet, ist tatsächlich ein Kampf gegen den fellachischen Volksgenossen. Denn der Fellache der großen Masse beginnt allmählich, im Zusammenstoß mit der sozial andersgearteten Arbeitermasse des neben ihm arbeitenden jüdischen Volkes, zu erkennen, daß er ein menschenunwürdiges Leben führt. Er sieht, daß neben ihm Menschen die gleiche Arbeit verrichten und trotzdem „beinahe wie Effendis" leben, während er sein Leben lang dem Effendi verschuldet ist; selbstverständlich wächst schnell der Wunsch, den Standard des jüdischen Arbeiters zu erreichen. Darin aber liegt die Lebensgefahr für den Effendi, der wohl über riesige Böden, meist aber nicht über genügend Bargeld und auch nicht über das Verständnis verfügt, von der extensiven Bodenbearbeitung mit primitiven Mitteln zur intensiven mit maschineller Kraft überzugehen. Hier beginnt der tragische Kreis, der das Problem beinahe unlösbar erscheinen läßt. Könnte der Effendi in großem Maß maschinelle Kraft einsetzen, so würde das eine große Masse von Fellachen arbeitslos machen und vom Boden vertreiben. Eine „Reservearmee" landloser Fellachen aber würde stärksten sozialen Druck gegen die Effendis bedeuten. Die Effendis ahnen wohl die Gefahr, aber sie wissen ihr nur damit zu begegnen, daß sie den Kampf gegen den Zionismus proklamieren, als wäre Palästina ohne Zionismus vom Einbruch der Maschinen verschont geblieben. Es ist ein Kampf um Leben und Tod, dieser Kampf um die Bodenbewirtschaftung, dessen Lösung durch die Weltübervölkerung unumgänglich wird. 502

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