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Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 496

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Der Gezeichnete
Date
1936-02-01
Page
496 (sequence 7)
Language
German
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Jakob Picard nen Wesens, so starben sie ihm alle in der Hand, indem aus dem Schnäbelchen bei jedem ein letzter Tropfen Blut sich ergoß, bevor er das Tote neben den Wegrand ins Gras legte. Sie sterben in der Fremde auf dem Heimweg, und vielleicht ist es gut so, dachte er. Nur eins der Tierchen blieb bei ihm; zitternd schmiegte es sich in seine hohl gemachten Hände wie in ein Nest. Er hielt es sorglich umschlossen, stundenlang, fing auch da und dort, es zu nähren, eine kleine Raupe von Büschen und herbstbraunen Gräsern oder ein Spinnlein aus betauten Weben. Ohne daß er einen bestimmten Plan damit gehabt hätte, hoffte er, es mit in die Heimat bringen zu können, damit er dort nicht allein bleibe. Aber das Vögelchen schlüpfte gegen Mittag, als die Sonne fast sommerlich wärmte, weg und flog in einem bogenhaft großen Schwung gen Süden. Sender schaute ihm nach und sagte halblaut vor sich hin: „Jetzt kehrt es heim." Und dann: „Wenn es nur diese Nacht noch übersteht", weil er ahnte, daß es immer auf eine letzte Anstrengung, auf eine letzte Hilfe ankommt, um ein Ziel zu erreichen. Und er war bedrückt im Gemüt, seines Schicksals gedenkend, da er nicht wußte, wie man ihn im Dorf empfangen werde, das er heimlich verlassen hatte und in das er so zurückkehrte; er fürchtete plötzlich wieder die Enge und die falschen Worte derer, die um sein Leben bisher und von Anfang an gewußt hatten, und ahnte, daß keine Flucht gegeben ist aus unseres Schicksals ewiger Bestimmung. Aber er wollte ihnen sagen, was er gelernt hatte und konnte, und sie bitten, ihm zu einer Werkstatt zu verhelfen, damit er es ihnen zeige und sich wie ihnen Nutzen bringe durch seiner Hände Arbeit. Doch bedachte er nicht, ob es möglich sei und ob es sich hier in der kargen Gegend der Heimat mit ihren wenigen .Menschen überhaupt lohne, dieses Handwerk auszuüben. Pläne kamen ihm im Wandern, die manchmal Hoffnung in ihm weckten auf ein neues Leben und auf eine Möglichkeit, geachtet zu werden wie die andern. Vielleicht würde es ihm gelingen, sich durch seine Arbeit unter ihnen auszuzeichnen, das Besondere zu leisten, das immer die Menschen zeigen müssen, um unter ihresgleichen etwas zu gelten; halb bewußt war das in ihm. * So war er eines Tages um die Mittagszeit fast überrascht, in vertraute Fluren zu kommen: Hügel, von Wacholderbüschen bestanden, und Waldstücke zuschauen, die ihm sehr bekannt waren, auf einer Höhe, von wo er fern bald das Heimatdorf liegen sah. Erregung und Bangnis zugleich waren in ihm und Scheu, denen plötzlich vor die Augen zu treten. Er wartete darum bis zur Dämmerung, ging langsam und schlich dann, von keinem gesehen, in das alte düstere Haus, wo er die Schwester verlassen hatte. Die schrie auf, als er plötzlich unter die Küchentür trat: „Sender", 496

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