Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Die Bibel als Erzähler
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 486 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895550-2905721--08571-2905768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Martin Buber der Gemeinschaft begründete Sonderung. Das ist die „eda" Korachs, die falsche in der echten, die usurpative in der gestifteten, die Gott und die Heiligkeit im Munde führende in der von Hott zum „Heilig werden" für ihn erneut unmittelbar vor dieser Begebenheit (15,40) berufenen. Das meint Mosche mit seiner Anklage (V. 11): „So denn, 7 du und all deine Gemeinde, / ihr seid, die sich gemeinen (noadim) IHM gegenüber." Das zweite Leitwort hat nicht diese fruchtbare innere Gegensätzlichkeit des ersten, aber es führt noch tiefer in die Problematik ein, die sich in der Geschichte vom Aufstand Korachs gestaltet hat. Es ist das Verb karaw in der transitiven, der Hifilform hakrevv, die nähern, nahen lassen, darnahen bedeutet. In den schier panarchisch klingenden Gleichheitsspruch der Korachleute ist, wiewohl erst in Mosches Antwort ausgesprochen, der besondere Anspruch des Lewiten Korach verflochten, den Priestern amtsgleich zu werden, wie sie also opfernd dem Heiligtum zu „nahen". „Nahen" ist der ausdrücklichste von den biblischen Opferbegriffen, die fast alle etymologisch oder volksetymologisch auf die Grundtatsache hinweisen, daß die Opferhandlung, durch ein „Höhen", ein „Hinleiten", ein „Nähern" auf die Beziehung des Opfernden zu Gott im Sinn der Überwindung einer Fernheit einwirkt; die allgemeinste Bezeichnung des Opferns ist hakrew, darnahen, daher die des Opfers korban, Darnahung. Man „nähert" Gott das Opfertierj aber, wie das Sühneopfer durch die Aufstemmung der "Hände des Sühnebedürftigen mit ihm funktionell identifiziert und an seiner Statt dargebracht wird, so birgt sich in der „Näherung" das eigene Nahen; der himmelwärts „nahende" Opferrauch ist das sichtbare Zeichen der Ueberwindung der eingetretenen Fernheit. Mit eben demselben Begriff aber wird die Weihung sowohl der Priester wie der Lewiten zum Tempeldienst bezeichnet. „Genähert" wurden Aharon und seine Söhne, um Gott zu „priestern", d. i. ihm unmittelbar zu dienen*) (U.M. 29, 4, 8; 40, 12, 14; III. M. 7, 35; 8, 6, 13, 24); auch die Lewiten, als die vom Volk an Stelle der Erstgeburt Gott „Hingegebenen" und von ihm „Genommenen" (IV. M. 8, 16; 18, 6), sollen „genähert" werden (8, 9f; 18,2), aber in einer besonderen Weise, nur „vor" das Heiligtum (wie einst einmalig, ULM. 9, 5, die ganze eda), nur „mit" Aharon; ihnen ist nur mittelbare Wartung anvertraut4); genähert sind sie, aber wie das „Nahen" zur Heiligtumsgerätschaft selbst (18,3), so ist ihnen die Tätigkeit des Näherns, der Opferdienst, verwehrt. Der Korach-Aufstand nun erscheint als die Krisis, in der sich die Begrenzung des Lewiten- 3) Vgl. mein „Königtum Gottes", S. 125 f. 4) Diese Mittelbarkeit wird, als bloßes lawa, „Anlehnen" an das Priestertum, 18, 2, 4 in volksetymologischer Paronomasie auf den Namen Lewi (vgl. I.M.29, 34) bezogen. 486