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Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 485

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Die Bibel als Erzähler
Date
1936-02-01
Page
485 (sequence 4)
Language
German
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Die Bibel als Erzähler werden sie „zerstreut von dort übers Antlitz aller Erde". Die Verkehrtheit des Menschen erfährt ihre Verkehrung. So stellen uns die sieben Leitwortbrücken den Zusammenhang von Aufstand und Überwindung am "Eingang der Völkergeschichte dar. Eine ganz andere Funktion haben die Leitworte in der Erzählung von einem andern Aufstand und seiner Überwindung, aus der Zeit des Volkwerdens Israels in der Wüste: in der Erzählung von Korach und „seiner Rotte", wie schon Luther übersetzte und wie auch noch in der neuesten Auflage von Kautzsch-Bertholet zu lesen ist. Aber mit dieser Übersetzung wird das eine der beiden eigentlichen Leitworte dieser Erzählung zerstört; denn das Wort, mit dem darin viermal die Aufständischen bezeichnet werden, eda, bezeichnet darin zehnmal die ganze Volksgemeinschaft. Ein Wortstamm, jaad, ist in zwei Substantiven, eda und moed, und einem Verb das eine der beiden Hauptleitworte dieser Erzählung; davon kommt moed hier in doppeltem Sinn vor, einmal zur Bezeichnung der Vertretertagung der Gemeinschaft („Fürsten der Gemeinschaft [eda], Berufne der Gemeinbegegnung [moed]" werden Korach und die Seinen am Anfang des Berichts genannt) und zweimal in der Zusammensetzung ohel moed zur Bezeichnung des Zelts der „Begegnung" — nämlich der Gottes mit dem Volke: des Zelts der göttlichen Gegenwart, an dessen Eingang die eda Korachs der ganzen eda Israels gegenüber versammelt wird. Eda ist die im immer wiederkehrenden Einanderbegegnen ihrer Mitglieder einig lebende und wirkende Gemeinde oder Gemeinschaft; das aber, was dieses stete Einanderbegegnen zur Gemeinschaftlichkeit verfestigt und erhöht, ist, daß die einander Begegnenden als kahal, als Versammlung oder Gesamt, die Begegnung mit Gott am ohel moed erfahren, seine königlichen Weisungen empfangen und so SEIN Kahal (V. 3) werden. Bemerkenswerterweise kommt diese Bezeichnung, als Gottesversammiung, im Pentateuch außerhalb des deuteronomischen Gesetzes nur (zweimal) im Mund von Aufrührern vor, das erstemal eben hier im Munde Korachs und der Seinen. Sie, Fürsten der eda und Berufne des moed, „versammeln sich" (V. 3) — der Wortstamm kahal wird in der Erzählung zur Ergänzung des Leitworts jaad verwendet und ebenso gegensätzlich wie dieses — „über" oder wider Mosche und Aharon, um gegen deren Vorrecht das Recht der ganzen eda zu verfechten: „Zuviel euch! / denn all die Gemeinschaft, alle sind sie heilig, / in ihrer Mitte ist ja ER, / warum erhebt ihr euch über SEIN Gesamt!" Dieser Anspruch der Heiligkeit für die Gesamtheit der eda, der deren Ordnung und Struktur anficht, bedeutet gerade die gefährlichste, die in der falschen Identifizierung des Unbedingten mit 485

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