Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Urformen jüdischen Geistes. Der Akt der Heiligung
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 480 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895550-2905720--08564-2905762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fritz Heinemann von Objekten, sich nicht mehr mit ihrem Verstehen begnügend,, um zum Begreifen des Sinnes des Ganzen vorzudringen, greift die Wertgebung über einzelne Wertgegenstände kühn nach dem absoluten Wert schlechthin, dann schlägt der Akt der Begeistung um in den Akt der Heiligung. Dieser Umschlag zur Heiligung in der Berührung der absoluten Seele, des absoluten Seins, des absoluten Sinnes, des absoluten Wertes wandelt den Menschen von Grund auf, wie die Berührung mit jedem Großen — sei es ein großer Mensch, eine große Idee, eine große Situation — den Menschen wandelt. Das Mysterium dieses Aktes, des verborgensten und zentralsten der menschlichen Natur, wird sich uns stufenweise enthüllen. Von unserem Wege aus gesehen ist der Akt der Heiligung der Akt der Erfassung, der Berührung des absoluten Seins; d. h. des Seins, das vor allem endlichen Sein liegt, nicht von ihm abhängt, sondern von dem wiederum alles andere abhängig ist, — des Seins, das das eigentliche und wirkliche ist, die Quelle von allem Sein. Der Akt der Heiligung ist zugleich der Akt der Erfassung des absoluten Sinnes, des Zentrums der Sinngebung, von dem aus aller Sinn ausstrahlt und in dem es wiederum endet, ohne das nichts anderes verstanden werden kann. Der Akt der Heiligung ist endlich der Akt der Erfassung des absoluten Wertes, der über alle Werte hinausliegt, der ihrer aller Stütze und Halt ist, auf den hin sie ausgerichtet sind und in den sie ausstrahlen. Indem der Mensch diesen Wert berührt, von ihm überstrahlt wird, in seine Glut untertaucht, wird er selbst damit über sich hinausgehoben. Der Akt der Heiligung ist damit auch der Akt der Erfassung der absoluten Erscheinung, d. h. des Absoluten, sofern es überhaupt in Erscheinung tritt, und der Erscheinung, insoweit sie das Absolute darstellt, d. h, insofern sie als sinn- und wertvoll verknüpft ist mit dem letzten Sinn und Wert. Und so wird im innersten Kreise der Mensch zum heiligenden Wesen, das der Gnade der Heiligung für würdig befunden und das mit der Kraft der Heiligung gesegnet ist. Alle diese Akte nämlich, die Erfassung des Seelengrundes, des absoluten Seins, Sinnes, Wertes stehen in eins in diesem Akte, den man den absoluten nennen könnte, denn er setzt den Menschen in Beziehung zum Absoluten, er setzt etwas als absolut, als absolutes Sein, als absoluten Sinn, als absoluten Wert; er behauptet sich selbst endlich als absolut, denn nichts gibt es, was ihn erschüttern könnte. Das nämlich ist das Mysterium dieses Aktes, daß er heraushebt über alle Grenzen der Endlichkeit und der Relativität, über alle Schranken des Profanen, des Benutzbaren, des Kritisierbaren.. 480