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Der Morgen · 1936-01-01 · Heft 10 (Januar 1936) · p. 447

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 10 (Januar 1936)
Article
Der Gezeichnete
Date
1936-01-01
Page
447 (sequence 3)
Language
German
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Der Gezeichnete ohne Schutz. Und da die anderen in der Kehilla das mehr ahnten als bewußt sahen, ergab es sich, unansehnlich an Wesen wie er war und fast mittellos, daß er jsich nie recht durchzusetzen vermochte den Vielen gegenüber, und daß sie ihm alles zuschoben, dessen sie selber sich scheuten und überdrüssig waren. Ein Schweres war es vor allem, das ihm so erwuchs in seinem engen Leben, das zuerst nichts kannte als den Umkreis des Dorfes und den Zwang, den die Gemeinschaft um des Gesetzes willen jedem auferlegte; und er wußte lange nicht, daß eine Flucht in die Fremde helfen kann in solcher Lage . . Aber eines muß dazu noch aufgeklärt werden für die unter uns, die der Ewige, gelobt sei sein Name, wieder zu uns geführt hat durch das Leid dieser Jahre, die aber nichts mehr wissen von seinem heiligen Gesetz und den alten Bräuchen, damit auch sie verstehen, in welch andere Verstrickung noch der Sender geraten ist, weil er alleine war und niemand ihm beistand. Eine große Ehre ist es, im Hause Gottes aufgerufen zu werden unter den Männern in Israel, um den Segen über das Gesetz vor den andern zu sagen; und es geht der Reihe nach so, wie ihr geschätzt seid in der Kehilla. Aber an einem Schabbos und bei einer Parscha ist es so, daß es dem freien Willen eines Manne? überlassen bleibt, ob er aufgerufen werden will oder nicht, mi sehe jirze, wegen der Folgen, die man meistens fürchtete und auch da und dort noch heute daran knüpft unter den gläubigen Menschen. Denn es ist der Abschnitt in der Tauro, der gelesen wird an einem Schabbos — dem Schabbos Bechukkausai — während der Omerzeit, der die Parscha Tauchocho heißt, worin die Verfluchungen stehen, vom Ewigen, gelobt sei sein Name, uns angedroht für den Fall, daß wir ihm und dem, was er uns gesetzt hat, nicht folgen, damit wir ein Beispiel seien unter den Völkern im Glauben an ihn. Alles Schlimme, was er aus seinen Händen uns schicken kann zu Strafe und Zucht, steht an diesem Tage da, und ist von dem mit dem Segensspruch zu bekennen, der auf den Almemor vor die heilige Lade gerufen wird, wenn es verkündet wird vor der Gemeinde. Und es war dazumal eine Scheu unter den Männern seit alters, zu diesen Worten die Berocho zu sagen; denn sie fürchteten ihren Fluch für sich und die ihren, so sehr es sonst eine Ehre war, vor den anderen zum heiligen Wort zu stehen. Und aus dem Aberglauben jener noch dunklen Zeit — der aber kam aus der großen Scheu vor dem Ewigen und seiner unendlichen Macht — hatte sich so der Brauch unter ihnen gebildet, nur einen solchen aus den Kehillaus dazu zu bestimmen — ob er wollte oder nicht — der allein stand, weder Frau noch liebe Kinder hatte, denen außer ihm die Verfluchungen Schaden, Krankheit, Mißachtung und gar Tod bringen konnten. Und keiner wagte es, sichi dessen zu weigern, weil er glaubte, es hinnehmen zu müssen als 447

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