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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Zum Neuaufbau des jüdischen Musiklebens
Date
1935-12-01
Page
388 (sequence 6)
Language
German
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Oskar Guttmann der auch künstlerisch auf sich selbst gestellten Juden in Deutschland, deren bisherige nun einmal zerbrochen ist, entspricht und ihr einen neuen musikalisch-kulturellen Lebensinhalt gibt. Die Kulturbund-Bewegung hatte zunächst auch das spezifisch Jüdische außer acht gelassen. Hier hat vor allem das Reich, besonders West- und Süddeutschland, von sich aus in den Lehrhäusern und in eigenen Kulturbünden ergänzend eingegriffen. Man hatte hier die Forderung des Tages eher erkannt, nämlich, daß es nicht darum ging, den Zusammenhang mit der westeuropäischen Musikkultur aufzugeben, was nicht wünschenswert wäre und auch nicht ohne weiteres möglich ist, als vielmehr auf isoliertem jüdischen Boden den Aufbau einer jüdischen Musikkultur zu versuchen. Daran mithelfen müssen vor allem alle Stätten geistiger Haltung, besonders die jüdischen Schulen. Die Musik hat da immer und überall nur einen verschwindend kleinen Raum eingenommen, weil man in der Musikkultur der Umwelt sein volles Genügen fand. Alle Fragen in jüdisch-musikalischen Dingen müssen an den Ausbildungs- und Lehrstätten in Gemeinschaftszirkeln behandelt, die Probleme einer jüdischen Musik, ihre Stilmerkmale, das Historische, die liturgische und die Volksmusik müssen erörtert und durchforscht, und allmählich muß ein Standpunkt erarbeitet werden, von dem aus man im größeren Kreise wirken kann. Das Laien-Element muß an diesem neuen Aufbau mitwirken, ohne daß dabei natürlich ein öder Fachdilettantismus Platz greift. Vielleicht erwächst daraus etwas, was eine eigene Musikkultur der Juden in Deutschland genannt werden kann. Aber ganz zuletzt wird eine eigenständige rein jüdische Musikkultur der Juden in Deutschland kaum möglich sein. Eine nationale Kultur kann nur aus eigenem Volk und eigenem Land herauswachsen. Wenn heute in Palästina Juden aus allen Ländern zusammenströmen, die die Kultur ihrer bisherigen Umwelt, auch deren Musik, mitbringen, wenn diese wiederum stark von der arabischen Umwelt, also auch von der arabischen Musik, beeinflußt wird, wenn sich hier auch die verschiedensten Kulturen durchdringen und zunächst überall Anähnelungen und Ausgleiche stattfinden, eine babylonische Kunst-Verwirrung zu entstehen scheint, die von bodenständiger Kultur sehr fern ist, so darf man hoffen, daß nach Jahrzehnten sich doch eine eigene Kultur entwickelt. Die Musik hat es dabei am schwersten; denn sie formt sich ganz zuletzt als die empfindlichste aller Künste. Sie kommt zuletzt und stirbt zuerst. VI. Die natürlichste Quelle einer jüdischen Kunstmusik könnte die synagogale Musik werden. Daß es eine jüdische Musik einmal 388

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