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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 357

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Jugendbriefe von Jacob Bernays
Date
1935-11-01
Page
357 (sequence 4)
Language
German
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Jugendbriefe von Jacob Bernays schreibt beglückt auf die Adresse seines Briefes „Herrn Jacob Bernays, stud. laureat". Aber noch ist er Student; und zum Doktorexamen, auf das nicht er selbst, wohl aber sein Vater großen Wert legt, braucht man — Geld. Darum schreibt er dem Freunde, halb zaghaft und halb vertrauensvoll (Bonn, 13. Februar 1848): .... Du hast in vorsorglicher Freundschaft den verwünschten Geldpunkt zuerst abgehandelt, und ich muß das auch tun, weil ich noch nicht weiß, wie viel Raum dieses Pünktlein, oder vielmehr dieser leidige so vieles im Leben schwärzende Klecks von diesem Briefe in Anspruch nehmen wird. Freilich auch der längsten Auseinandersetzung kurzes und gewichtiges Ergebnis wird immer das bleiben — ich will lieber den Schrecken gleich vorweg nehmen — dies, daß ich brauche, wenigstens: 150 Rtl. — Nun, wenn Du Dich etwas erholt hast, die nähere Erklärung, zuerst der Summe. 100 Rtl. Gold muß die Fakultät haben „für das Examen", wie die Prellerei lautet, im Grunde für Nichts. Das Übrige wird, wenn man sich die allerengsten Schranken setzt, für das Drucken der Dissertation, des Diploms, Trinkgelder, und was sonst um den Firlefanz herumbummelt, vielleicht ausreichen. . . „Ohne Geld, aber ohne Entbehrung, ruhig und heiter" war der Student nach seiner eigenen Aussage zu leben gewohnt; und man merkt deutlich, wie sauer ihm die Beschäftigung mit diesem „Gelddreck" ankommt. Aber kaum eine Woche später kann Jacob Bernays schon danken: Wenn die Menschen sich größtenteils durch eine unerwartet erhaltene Wohltat zu wärmerem Dank angeregt fühlen, so wird mein Dank durch die Überraschung nicht erhöht werden können. Denn als ich meinen letzten Brief in den Postkasten geworfen hatte, war ich des Erfolges so sicher, als klapperten die Thaler schon in meiner oder der Herren Professoren Tasche. . . Ebenso bezeichnend für den Bittenden wie für den Gewährenden ist es, daß Nicolas jeden Dank abwehrt, nur als Gunst den Besuch des Neffen während der Pessachtage sich ausbittet. Kaum einen Monat später, am 16. März 1848 und schon mitten in den Wirren der Revolution, schickt Bernays nun wirklich dem hilfreichen Freunde „das Dokument, zu dessen Erlangung mir keiner wirksamer und freundschaftlicher gewesen ist als Du": „Endlich", sage ich mit dem erleichterten Gefühl, mit dem man den Glockenschlag begrüßt, welcher uns aus einer langweiligen Gesellschaft erlöst. Du kannst Dir wohl denken, mit welcher inneren Unbehagüchkeit ich mich durch alle die krummen Gänge der Doctorkandidatur gerade zu einer Zeit hindurchgewunden habe, in der ganz andere Titel in Frage gestellt sind als dieser letzte Überrest mittelalterlichen Zunftwesens. Es war noch gut, daß ich die ersten Schritte auf jener langwierigen Doctorbahn schon getan hatte, ehe das Krachen von dem zusammenbrechenden französischen Throne hierher erschollen war. Denn sonst hätte ich es schwerlich über 357

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