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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 356

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Jugendbriefe von Jacob Bernays
Date
1935-11-01
Page
356 (sequence 3)
Language
German
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Bertha Badt-Strauss Beitrag zur Geschichte der Judenemanzipation im Deutschland des 19. Jahrhunderts — sowohl in ihrem Glanz wie in ihrer schicksalsschweren Schwäche. Es handelt sich um den Briefwechsel von Jacob Bernays mit seinem Onkel, dem Arzt Dr. Nicolas Berend in Hannover. Nicolas (eigentlich Nathan) Berend war der Bruder von Jacob Bernays' Mutter Sara Berend. Er ist 1815 geboren, also nur neun Jahre älter als Jacob Bernays; in den Briefen scheint es aber immer mehr, als ob Bernays der Ältere, Gebende und Nicolas der Jüngere und Empfangende wäre. Nicolas Berend ist der Sohn des Klaus-Rabbiners Michel Berend in Halberstadt, der später als Bankier in Hannover lebte. Er hatte Medizin studiert und mit einer Schrift über das damals neu aufgekommene Chloroform promoviert; auch später, als er sich schon längst als praktischer Arzt in Hannover niedergelassen hatte, verzichtete er nicht auf seine wissenschaftlichen Interessen. In seinen Briefen wie in dem lebendigen Bilde des alternden Mannes, das die Familie treulich aufbewahrt, erscheint er als ein lebhafter, origineller, vielfach angeregter Mann, dem die alte jüdische Ehrfurcht vor dem Wissen innewohnt — zugleich verbunden mit großer Herzensgüte. Seine zarte, kleine Frau Franziska, die eine geborene Kahn aus Bonn war, scheint in ihrer mütterlichen Güte und humorvollen Gescheitheit dem Herzen von Jacob Bernays besonders nahegestanden zu haben. Immer wiederholt er, wie wohl es ihm tue, sich in ihre „Kindschaft" zu begeben; sie dagegen hat sich wohl einmal mit lustigem Stolz als die „Leiblieferantin für Hemden und Taschentücher" bei dem berühmten Philologen bezeichnet. So sahen die Menschen aus, an welche der junge Student „an der Sandkaule" in Bonn seine Briefe richtete. Die Straße war eng, die Nachbarschaft war nicht eben fürstlich zu nennen, wie es der schmalen Börse des Rabbinersohnes zukam: aus einer benachbarten Brauerei kamen ambrosische Düfte, die der begeisterte Philologe mit viel guter Laune in den frommen Weihrauch der Antike umdeuten konnte. Dem bedürfnislosen jungen Hamburger genügt das einfache Quartier, dessen unbehagliche Lagerstätte der Besuch aus Hannover einmal bemängelt, vollkommen; er hat ja zeitlebens wenig Wert auf seine äußere Erscheinung gelegt — im Gegensatz zu seinem Bruder Michael, dem späteren Münchener Professor und wohl auch zu seinem Vater, dem Chacham Isaak Bernays, dessen stattliche und ausdrucksvolle Erscheinung im Talar die Hamburger bewunderten. Jacob Bernays arbeitet damals schon an der Preisaufgabe, die sein Lehrer Ritsehl mit Rücksicht auf den begabten Schüler eigens für ihn gestellt hatte. 1846 wird seine Lukrez-Arbeit preisgekrönt; und der stolze Freund in Hannover 356

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