Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 8 (November 1935)
- Article
- Jüdische Kunstsammler
- Date
- 1935-11-01
- Page
- 350 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Olga Block: Jüdische Kunstsammler unterstützen und zu fördern. Zu diesem Zwecke schenkte er dem Museum auch eine reiche Sammlung altdeutscher Kunst. Dem Katalog von Max I. Friedländer, Theodor Demmler und Hermann Schmitz, dem heutigen Direktor der Staatlichen Kunstbibliothek, stellte Bode eine Einleitung voran, in der „der warmen Kunstliebe" des Stifters und seinem „erleuchteten Gemeinsinn" ein Denkmal gesetzt ist. Als im Jahre 1920 James Simon dem Kaiser-Friedrich- Museum eine zweite Schenkung zuführte, rühmte Bode in einer Denkschrift über diese Stiftung „den Mut und die große Gesinnung", die daraus spräche, „zu einer Zeit, wo alles bei uns in Deutschland zusammenzubrechen scheint, wo die Kunstsammlungen zerschlagen und ins Ausland verschoben werden ..." Die Stiftungen James Simons harmonierten demnach völlig mit dem Geist Bodescher Sammlertätigkeit. Und ebenso stand es mit einer anderen Schenkung an die Berliner Museen: der Konsul Gustav Jacoby, einer der ersten Kenner altjapanischer Kunst, konnte der Ostasiatischen Abteilung wertvolle Bestände zukommen lassen, die ihr noch fehlten. Er hatte als erster die alte japanische Kunst nach historischen Gesichtspunkten gesammelt, ja, Japan selbst erhielt erst durch seinen Berliner Konsul Jacoby die Anregung, dieses Genre der alten Kunst zu werten. Wenn man heute die Ostasiatische Abteilung der Staatsmuseen durchwandert, stößt man vielfach auf die durch die Jacobysche Stiftung erweiterten Bestände dieses Institutes, die alten Schwertzierrate und Lacke in besonderen Qualitäten. In diesem Zusammenhange muß unbedingt auch die Sammlung Darmstaedter in der Preußischen Staatsbibliothek erwähnt werden, die einen ganz eigenen Charakter trägt. Diese Dokumentensammlung dient nach den Worten des Stifters „der Pflege des historischen Sinns auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft", und sie zeigt, „welche Wege die Bahnbrecher gegangen sind, wie sie gekämpft und gesiegt, erkannt und geirrt haben". Darmstaedter trug selbst dazu bei, die tausende und abertausende von Autographen und Manuskripten aus allen Wissensgebieten zu sichten, er arbeitete ehrenhalber Tag für Tag in der Staatsbibliothek, und ihm verdankt auch der „Verein der Freunde der Preußischen Staatsbibliothek" seine Entwicklung. Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß auch das jüdische Sammlertum sich häufig den besonderen Interessen der Gegend in Deutschland anpaßt, in der die Sammlungen entstehen. So ist es denn erklärlich, daß ein süddeutscher Jude, Karl Baer aus Mannheim, dem Porzellan seiner Landschaft, der Keramik von Frankenthal, sein Interesse zuwandte und dem Mannheimer Schloßmuseum die unvergänglichen Schätze dieses fürstlichen Kunstfleißes zukommen ließ. Ganz vom Geiste der Landschaft erfüllt ist auch die einzigartige Schlesienbücherei in Neustadt in Oberschlesien, die ihre Ent- 350