Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 8 (November 1935)
- Article
- Jüdische Kunstsammler
- Date
- 1935-11-01
- Page
- 349 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895547-2905445--08358-2905494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Olga Block: Jüdische Kunstsammler Außerdem sammelte Friedrich II. in seiner besonderen Vorliebe für kunstgewerbliche Dinge Prunkdosen, die er selbst bei den Juwelieren kaufte. Er zahlte z. B. bei Ephraim & Söhne für ein Porträt mit Brillanten, das für eine Tabatiere bestimmt war, 4400 Taler, und in den fünfziger und sechziger Jahren lieferten ihm die Gebrüder Jordan eine Tabatiere" mit Emailmalerei und Brillanten für 8500 Taler. Auch viele jüdische Sammler der Zeit begannen, wie der König, französische Bilder zu sammeln. Man weiß von italienischen und französischen Gemälden in der Galerie des Kaufmanns Benjamin V. Ephraim und von Arbeiten von Friedrichs Hofmaler Pesne und mehreren Watteaus in der Sammlung des Berliner Kaufmanns Daniel Itzig. Natürlich ließ die Ungunst der Zeiten unter Friedrichs des Großen Nachfolger vieles zu Grunde gehen, und auch in den Jahren der Napoleonischen Kriege pflegte man in Preußen die Kunst nur wenig. Aber als man nach der Leipziger Völkerschlacht deutsche Malerei verstehen lernte, zeigten auch die kleinen gewählten Sammlungen der Mendelssohns Interesse für Begas, der den zehnjährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy malte, oder für Anton Graffs Porträt des Philosophen Moses Mendelssohn. Die „Alten Meister" fand man in der damals bekannten Galerie Michael Wolff. Nun gilt es, einen Sprung zu machen bis in die Zeit nach dem deutsch-französischen Kriege, in die Epoche Bode. 1872 kommt dieser große Kenner, der vornehmlich über italienische Renaissance arbeitete, an die Berliner Museen. Er begann, Sammler um sich zu scharen und den großzügigen Museumsplänen Gönner und Freunde zu werben. Auch jüdische Sammler machten damals, von Bode angeregt, seine Sondergebiete zu den ihren und bedachten vielfach die Kunstinstitute mit Schenkungen, die von dem großen Museumsmann als für den Rahmen seiner Staatsmuseen geeignet befunden wurden. Besonders die Kaufleute in der Reichshauptstadt beschäftigten sich in den Mußestunden gern mit Kunststudien, und Wilhelm v. Bode stand ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Manchen von ihnen setzte er selbst in den Katalogen der Sammlungen ein Denkmal. So katalogisierte er die Skulpturensammlung Fritz Goldschmidt (1917), Richard v. Kaufmann (1917), die Sammlung Spitzer (1892) oder die Sammlung Oskar Huldschinsky (1908). Im ersten Katalog, der dem Berliner Bankier Oskar Hainauer gewidmet ist, spricht sich Bode in anerkennenden Worten über dessen Sammelmethodik aus. Pate stand Bode auch bei der Entstehung und dem Ausbau des Kunstbesitzes von James Simon. Bei der Eröffnung des Kaiser-Friedrich-Museums am 18. Oktober 1904 stiftete dieser Berliner Kaufmann die im Rahmen der Museen notwendige große Sammlung italienischer Renaissancekunst und die glänzende Medaillenserie. Andrerseits machte es sich James Simon zur Aufgabe, Bodes Plan eines Deutschen Museums zu 349