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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 334

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Das Gesicht der jüdischen Jugend
Date
1935-11-01
Page
334 (sequence 2)
Language
German
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Israel Bergmann: geht allen schlecht"; Die psychische Funktion des Lesens; Psychosen; Neurosen; Egozentrische Reaktionen; Individualistische Reaktionen; Soziale Reaktionen; Logik und Libido; Womit lockt die Partei?; Motive der „Karrieremacher"; Parteiwechsel u. a. m. Die Autobiographien selbst stellen Lebensdokumente dar, in denen die Stimme der jungen Generation, ihre Erlebnisse, ihre Träume und Hoffnungen, die Suche nach Werden und Wirken Widerhall finden und ihre innere und äußere Welt sich widerspiegelt. Zunächst ist schon die Abfassung einer Autobiographie selbst keineswegs problemlos. Ein Zwanzigjähriger drückt das in folgenden Worten aus:: Schon lange trug ich mich mit dem Gedanken, meine Selbstbiographie zu schreiben. Ich wollte nicht, daß ein so schönes Blatt meiner Vergangenheit verwischt werden soll. Ich wollte, meine Kinder und Enkel sollen einst das: was der Vater und Großvater erlebt hat, lesen können. Nebenbei wollte ich es für mich selbst, es interessiert mich, durchzulesen und durchzudenken, was mit mir geschehen ist. Ein Mädchen schreibt seine Autobiographie, um ihr Herz auszuschütten: Nie hatte ich die Gelegenheit, in mein inneres Leben hinein zu dringen. Und wie nötig und wichtig ist es für den Seelenleidenden, in die Vergangenheit seines Lebens hinein zu blicken, um die Wurzel des Giftbaumes, der das ganze menschliche Leben vergiftet, zu finden. . Meine Biographie ausnutzend, will ich in mein intimes Leben der Vergangenheit hineinsehen und mich vertiefen. Einzelne der Autobiographen beschäftigen sich mit der Eigenart des eigenen Typs: Wo jüdische Schüler die gemischten Schulen besuchen, sind sie ein Element, das sich in etwas auszeichnet. Ich merkte bei den jüdischen Schülern überall dasselbe: sie sind fleißig, arbeitsam, ruhig, wollen sich oft zu sehr beim Lehrer auszeichnen, oder aber sie wollen die ganze Welt erobern. Eben die letzten bringen Unannehmlichkeiten. Im allgemeinen sind die Juden fern von Leichtsinn und Sorglosigkeit, dieses kommt aus ihrer spezifischen Situation, die sie zum Nachdenken bringt. Ein Knabe zeichnet ein charakteristisches Selbstporträt: Wie ein „nationaler Jude", wie ein Propagandist national jüdischer Formen wollte ich mich nicht der angenommenen Sitte des Grüßens durch Abnehmen des Hutes anpassen. Mit einer Kopfneigung zu grüßen, schämte ich mich aber zu sehr, und wenn ich einen Bekannten und noch mehr wenn ich eine Bekannte erblickte, befiel mich Angst und ich wandte den Kopf weg. Man hielt mich für unhöflich, in Wirklichkeit aber war es einfach Schüchternheit. Ich verachtete die Konventionen, die „zierlich-manierliche" Eleganz der Gymnasial-Kolleginnen; wie zum Zeichen des Protestes grüßte ich sie überhaupt nicht. Es gab eine Zeit, wo ich 334

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