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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 333

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Das Gesicht der jüdischen Jugend
Date
1935-11-01
Page
333 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Israel Bergmann: Das Gesicht der jüdischen Jugend Man spricht zwar, bei uns und anderswo, von nichts häufiger, erwartungs- und anspruchsvoller als von der jüdischen Jugend, aber nichts ist auch unbekannter als ihr Wesen, ihr Verhalten, ihre Lebensumstände und Probleme. Die jüdische Archäologie ist ein in den verschiedensten Disziplinen durchforschtes Gebiet, die jüdische Jugendforschung aber ist der dunkelste Erdteil unserer Volksbewußtseinswelt. Von dieser Tatsache ausgehend hat Dr. Max Weinreich, der verdienstvolle Sekretär des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna, in seinem Werk „Der Weg zu unserer Jugend" mit allen Hilfsmitteln moderner Psychologie europäischer Observanz die jüdische Jugendforschung systematisch begonnen. Zu diesen Mitteln gehörte auch ein in seinem Resultat ganz unschätzbar wertvolles: Vor einiger Zeit forderte das Jüdische Wissenschaftliche Institut die Jugendlichen in Palästina und im jüdischen Osten auf, Selbstbiographien zu schreiben und einzureichen. Für die besten Biographien wurden Preise ausgesetzt, aber auch von diesem Wettbewerb abgesehen, war der Reiz der Aufgabe groß genug, und das Ergebnis ist quantitativ wie qualitativ eine bedeutende Materialsammlung. Auf diesen Ruf haben sich 310 jugendliche Verfasse^ aus 11 Ländern, besonders aus Osteuropa und Palästina, mit einem Material von 17 000 Seiten gemeldet. Nur 15o/0 erfüllten die Norm von 15 Seiten, der Durchschnitt lieferte bis zu 60 Seiten. Außerdem sandten 20 Teilnehmer ihre Tagebücher, die 10 000 Seiten fassen. Andere legten Briefe, literarische Arbeiten, Photos und Zeichnungen bei. Unter den Autobiographen befinden sich auch 58 Mädchen. Die Jugendlichen waren der Meinung, ihre Autobiographien wären Selbstzweck; für Dr. Weinreich und das Institut sind sie nur ein allerdings wesentliches Objekt der Forschung, deren Prinzipien aus folgenden Kapitelüberschriften ersichtlich sind: Das Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft; Die Zugehörigkeit zu einer „gezeichneten" Gemeinschaft; „Allgemeine" und „jüdische" Elemente in der Persönlichkeit; Biologische und soziale Erbschaft; Schwer, ein Kind zu sein; „Gleiche Bedingungen"; Schule und Familie; Die Bedeutung einer Kulturform; Nationale Elemente in der Persönlichkeit; Das spezifisch Jüdische in der Psyche; Innerlichste Gegensätze; Die erste „Attacke" der Jüdischkeit; Die ersten Kompensationen; Die fremde Schule; Jugend ohne ein Morgen; „Es 333

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