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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 315

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Presseschau
Date
1935-09-01
Page
315 (sequence 3)
Language
German
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tiefsten Gründe, weswegen wir die Schlachten gewannen, aber den Krieg verloren, sei der unpolitische Charakter des deutschen Offizierskorps gewesen, beleuchtet die Tendenz der heutigen soldatischen Erziehung. „Nicht als Kontrast zum Soldaten der Reichswehr, aber als notwendiger Kontrast zum Bilde des Soldaten in den Wehrverbänden wurde in den Kampfjahren der Nachkriegszeit die Gestalt des politischen Soldaten Wirklichkeit. Im politischen Soldaten ist das gesamte Volk politisch mobilisiert worden. Aus seinem Antlitz muß jeder Zug des Revolutionärs, der es einmal entstellte, gestrichen werden." Der Eid, den der Soldat heute leistet, stelle die stärkste Konkretisierung der Bindung des Soldaten an das geschichtliche Wollen seines Volkes dar. In ihm komme, nach Alfred Bäumlers Worten, zum Ausdruck, daß „der Soldat von den entscheidenden Grundtendenzen des Staates ergriffen ist, daß zum Beispiel die Frage, ob Sozialismus oder nicht, vom Heer auf die Dauer nicht ferngehalten wird". Der Verfasser verwirft ausdrücklich die Meinung ausländischer Kreise — er zitiert den „Temps" —, die in der Wehrmacht gemäßigte oder innerpolitisch als reaktionär bezeichnete Kräfte vermutet. „Mit dem Nationalsozialismus, der die Zukunft des Reiches bedeutet, ist auch der Offizier der Wehrmacht identisch. Oder er wird nicht mehr Offizier sein." Es ist interessant zu beobachten, daß der Begriff des soldatischen Menschen im deutschen Schrifttum bereits eine weitere Vorstellung umgreift als nur den des militärisch Vorgebildeten. Er wird geradezu dem bürgerlichen Menschen gegenübergestellt und dem soldatischen Element, „das bekanntlich unabhängig von Kriegen oder militärischen Verbänden als unsichtbare Front im Volke vorhanden ist", wird die Auflehnung gegen die Vorherrschaft des Bürgerlichen zugeschrieben. (Kurt Eggers: Abkehr von Europa. Die revolutionäre Situation Deutschlands. Der Hochwart, Maiheft.) Der Verfasser gibt hier einige Punkte zur Charakterisierung des soldatischen Menschen in Deutschland, obwohl er selbst meint, dieser sei noch nicht so gestalthaft, daß er gültig beschrieben werden könne. Kennzeichnend für ihn sei die Forderung der Armut und die Ablehnung der liberalen These der Wirtschaft als des ausschließlichen Schicksals der Nation. Die Armut sei die Voraussetzung jeden Freiheitskampfes. Ferner sei bezeichnend seine Einstellung zur Herrschaft, die er als eine aristokratische Auslese im sozialistischen Sinne erstrebe. Ein Mitbestimmungsrecht im demokratischen Sinne, auch einen national verbrämten Demokratismus lehnt er verachtungsvoll ab. „Er steht in der Volksgemeinschaft der Dienenden, aus der immer wieder die Führer der sozialen Auslese emporsteigen. Die soziale Ausleseist für ihn die Herrschaft der Freien." Seine Glaubenshaltung aber wird dadurch gekennzeichnet, daß er keine Tat ohne einen von der Gesinnung bestimmten inneren Vorgang ausführe. * Das Bild vom soldatischen Menschen zusammen mit dem vom politischen Soldaten, in Beziehung ge- 315

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