Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 316

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Presseschau
Date
1935-09-01
Page
316 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895539-2895546-2905303--08305-2905414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

bracht zu der Schau des technokratischen Zeitalters, verdeutlicht wesentliche Züge der Gegenwart, die von der Notwendigkeit erfüllt scheint, neuen Formen der Zukunft neue Inhalte vorzubereiten. h. c. Jüdische Lesehefte Mit der zunehmenden Verselbständigung des jüdischen Erziehungswesens in Deutschland wurde die Schaffung und Bereitstellung geeigneten Unterrichtsmaterials für die jüdische Schule notwendig. Von den sogenannten Kernfächern — auch „Gesinnungs-" und „Weltanschauungsfächer" genannt — benötigten Deutsch, Geschichte und Erdkunde dringend neue Arbeitsstoffe und Lehrmittel; auch das im Religionsunterricht verwendete Lehrgut verlangte eine Sichtung und Oberprüfung. Deshalb durfte es seitens der jüdischen Schulen dankbar begrüßt werden, daß der Schulreferent der Reichsvertretung, Studienrat Dr. Adolf Leschnitzer, „Jüdische Lesehefte" (im Schocken-Verlag, Berlin) herauszugeben begann. Sechs Lesehefte liegen uns zunächst vor. Die drei ersten umfassen Lesestoffe aus Midrasch und Agada, den Sammlungen Josef bin Gorions entnommen und von Rahel und Emanuel bin Gorion neu erzählt. Da der einzigartige Wert der Sammlungen „Der Born Judas" und der „Sagen der Juden" feststeht, genügt es hervorzuheben, daß die beiden Bearbeiter die schwierige Aufgabe, aus der bereitstehenden Masse geeignete Stücke auszuwählen und dem Verständnis der Schüler anzupassen, mit pädagogischem Geschick und feinem Sprachgefühl gelöst haben. Ein anderes geschichtliches Heft stellt den Freiheitskampf der Makkabäer dar, aus dem ersten Makkabäerbuch übertragen und kommentiert von Felix G r a j e w , insofern zeitgemäß, als die Religionskriege der Seleucidenzeit uns heute besonders viel sagen, und überdies ein Stoff, der von jeher die glühende Anteilnahme unserer Jugend erregt hat. Sehr hübsch ist die von E. Gut herausgegebene und eingeleitete Auswahl aus den Schriften Berthold Auerbachs. Die gutgelungene Auswahl zeigt nicht nur die dichterische Eigenart des volkstümlichen Erzählers, sondern auch seine liebenswerte Persönlichkeit und seine starke Bindung an das Judentum. Dem fremdsprachlichen Unterricht an jüdischen Schulen wollen die „Pictures of Jewish Life" von Israel Zangwill unter dem Titel „Children of the Ghetto" dienen, die ein Meister der Anglistik wie Professor Philipp Aronstein herausgegeben hat. Wie haben sich nun die Jüdischen Lesehefte in der Praxis des Unterrichts bewährt? Seit geraumer Zeit verwende ich die drei Auswahlhefte aus Midrasch und Agada als zusätzlichen Lesestoff im Deutschunterricht einer jüdischen Volksschule des Berliner Zentrums. Die schlichten und einfachen moralischen Erzählungen, denen man die Übersetzung kaum anmerkt, haben die Herzen der Kinder gewonnen. Aber gerade wegen dieser günstigen und positiven Erfahrung sei mir ein freimütiges Wort gestattet. Der Schocken-Verlag hat die Lesehefte, wie alle seine Verlagswerke, sehr würdig ausgestattet. Dadurch wird aber ihre Verwendung 316

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.