Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- Presseschau
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Verfasser deutet dann an, wie weit die Technik schon heute die Erneuerung des Geschichtsprozesses, den früher allein der Krieg innehatte, übernommen hat. Er führt dafür als radikalstes Ergebnis des Weltkrieges die Umwälzung in Rußland an, die nicht in dem Übergang vom zaristischen zum bolschewistischen Despotismus liege, sondern daran zu erkennen sei, wie sich das russische Volk mit asiatischer Wildheit dem Energiestrom in die Arme geworfen habe. „Aus der teilweise noch mittelalterlichen Vergangenheit in den Amerikanismus von morgen hinüber — dieser jähe Existenzwechsel ist nicht vom Kriege, sondern von der Technik getragen. Denn Kollektivismus und Industrialismus, die den neuen Kurs in Rußland bezeichnen, erfordern zu ihrer Durchführung vor allem andern den Energiestrom." Ein anderes Symptom sei Amerika, wo aus Überfluß Not und damit, bei politischem Frieden, eine Art technischer Kriegszustand entstanden sei. Zu diesen äußeren Wirkungen kommt aber sehr wesentlich noch die innere Einstellung des heutigen Menschen zur Technik. Uns fesselt heute die innere Hingegebenheit an die rasende Maschinerie; der Energiestrom ist der vollkommene Ausdruck unseres inneren Seins. „Die menschliche Leidenschaft, psychoenergetische Spannung, die bisher auf dem Wege über den Kampfgeist in Kriegsgeschichte umgesetzt war, verwandelt sich dann durch den Erfindergeist in energetische Technik und bewirkt von hier aus die Zerstörung des Gewesenen durch die Übernahme des Werdenden. Die Technik nimmt den Menschen gefangen. Ihm sind die Hände gebunden und, was mehr besagt, ihm ist der Sinn gebunden im Ringen mit jenem heraufbeschworenen Gegner, der ihm täglich das Erreichte zerstört, um das Unerreichte darüberzutürmen." Die hier aufgezeigte geistige und sachliche Entwicklung wird, so schließt der Verfasser, ein langsamer, unbewußter, ja eigentlich ungewollter und in seinen Endergebnissen unberechenbarer Vorgang sein. „Ist die energetische Technik — eine Urgewalt von gleichem Range (wie der Krieg), so wird sie eine Weltwende herbeiführen, nach welcher das Völkerleben andere Gesetze beherrschen als jetzt." Während sich Claus Schrempf in der hier zitierten Arbeit in großzügiger Perspektivenschau dem Wesen des Krieges und seiner Bedeutung für die Menschheit zuwendet, beschäftigt sich die Mehrzahl der kleineren Aufsätze mit den einzelnen Zügen des zukünftigen Kriegsgesichts, im besonderen mit dem soldatischen Menschen und seiner weltanschaulichen Ausrichtung. Die Art des militärischen Denkens, die den Offizier und mit ihm den Soldaten überhaupt als unpolitisch ansah, wird heute von der gegenteiligen abgelöst; mit einigen Vorbehalten — nämlich dem Verbot einer gleichzeitigen Zugehörigkeit zurWehrmacht und zur politischen Bewegung — „kann und darf nicht davon gesprochen werden, daß der Offizier und mit ihm der Soldat unpolitisch sein müssen". (Jürgen H e 1 m c k e : Der Soldat von morgen. Wille und Macht. 1. August 1935.) Das in diesem Aufsatz zitierte Wort von Volkmann-Leander, einer der 314