Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- Abessinische Juden
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Abessinische Juden .,Wassern des Todes" im Gilgamesch - Epos, von denen auch die Apokryphen handeln. Daß man am Ausgang des Tages die Vögel füttert, daß bei den Falascha nach der bei ihnen üblichen Beichte dem Beichtkind vom Priester mit einem Zweig auf die Schulter geschlagen wird, erinnert daran, daß in manchen Kreisen des rabbinischen Judentums die Eingeweide der Kapparoth als Vogelfutter verwendet werden und das Sündenbekennlnis vor Jomkippur mit Geißelung verbunden ist. Also auch in diesem Kultus der Falascha ist Verquickung jüdischer und fremder Elemente wie bei den Samaritanern festzustellen. Den i.Tischri, bei ihnen Taschran (wie auch in Nissan, Tammus, Ab, Elul ihre Monatsnamen mit den unsern übereinstimmen), feiern sie der Tora gemäß nur als Tag des Schofarblasens. In den sieben Tagen des Pessach („Fassika") meiden sie alles Gesäuerte, sie essen Mazzoth („Kitta" — wohl hebräisch „chitta" Weizen), denen übrigens das abessinische Brot überhaupt sehr ähnelt. Sie enthalten sich am ersten und letzten Tage Peßach, ebenso am Sabbat und Jomkippur nach einer bestimmten Auslegung von Bibelstellen jeglicher Arbeit, wie sie auch das Omerzählen erst nach Schluß des Peßachfestes beginnen und darum das Offenbarungsfest, ihr Erntefest, an dem sie Ähren darbringen, erst am 12. Sivan feiern. Doch schlachten sie noch das Opferlamm, wie sie überhaupt den altjüdischen Opferdienst beibehalten haben, indem sie erklären, daß nach der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem das Opfer an jedem beliebigen Orte .wieder freistehe. Ihre Gotteshäuser („Meskit"', arabisch Moschee; Meskita heißen noch jetzt die Synagogen in Sizilien) sind gleich denen der christlichen Abessinier, wie einst der Tempel, in Vorhalle, Heiligtum (Mekdes) mit Opferaltar und Allerheiligstes eingeteilt. In diesem liegt auf einem Tisch die Bibel („Orit", aramäisch Oraitha). Auch sind dort Behälter mit Asche und Wasser angebracht, biblischen Reinheitsgesetzen entsprechend, die in bestimmten Formen, ähnlich wie bei den Samaritanern und den Karäern, streng beobachtet werden. Auch die biblischen Speisegesetze gelten zum großen Teil. Das Fleisch wird sorgfältig entblutet, während sonst in Abessinien vielfach noch Fleisch roh gegessen wird. Nur beobachten sie nicht die Unterscheidung von milchig und fleischig. Die Opfer, wie überhaupt die Schächtung, nimmt der Priester (Kahen) vor. Vom geschächteten Tier erhält er bestimmte Teile als Abgabe. Er unterrichtet auch die Jugend. Ihm zur Seite steht als Lehrer der Debtera (wohl nach dem griechischen deuteros „der zweite", hebräisch Kohen mischneh, wie es Dr. Rüben erklärt, der auch das falaschische Im Augnstheft erschien u. ct.: Fritz Friedlaender, Der lüde im Wandel der Reichsidee I Rudolf LevY, Der Stand des Minderheilenrechts i Ernst Simon, Perspektiven der geistigen Entwicklung Palästinas Im Novemberhefi schreiben u. a.: Selma Siem-Täubler, Die ludenfrage in der Ideologie der Aufklärung und Romantik / Bertha Badt-Strauss, Familienbriefe von lakob Bemays. Ein Beitrag zur Geschichte der Emanzipation I Olga Bloch, Jüdische Kunsisammler / J. E. Foritzky. Erlebnis mit dem toten Anton Tschechow 311