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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 296

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Judentum in England
Date
1935-09-01
Page
296 (sequence 4)
Language
German
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C. Duschinsky eine Rassenstatistik gibt, läßt sich die Zahl eigentlich nur den Namen nach feststellen. Nun haben während des Krieges und seither nicht nur Juden, sondern auch andere Träger ausländischer Namen, sogar auch das Königshaus, englische Namen gewählt, so daß auch dieses Mittel häufig versagt. Man kann annehmen, daß; mindestens 60o/0 der zweiten Generation schon englische Namen haben. Bezeichnend aber ist, daß meist nur diejenigen, die ausgesprochen russische oder deutsche Namen trugen, diese umänderten, nicht aber die Träger von biblischen Namen wie Levy, Cohen, Samuel oder anderen ähnlichen. Nicht die Furcht, als Jude,, sondern die als Ausländer angesehen zu werden, gibt Anlaß zum Namenwechsel. Der Engländer hat eben ein Vorurteil gegen jeden foreigner (Ausländer); wenn es sich um Stellenbewerbung handelt, wird ein Jude mit englischem Namen einem, der einen fremdklingenden hat, vorgezogen. Gesellschaftlich hält sich der englische Jude mit Vorliebe zu seinen Stammes- und Religionsgenossen, ohne daß soziale Geringschätzung oder Feindseligkeit bei der allgemeinen Bevölkerung eine Veranlassung dazu böten, obwohl es einige wenige Kreise gibt — zumeist solche, die mit andersgläubigen Ausländern in Berührung kommen —, in denen der Jude nicht gerne gesehen ist. Da das große britische Reich aus so vielen Millionen zusammengesetzt ist, die anderer Rasse und anderen Glaubens sind als der Engländer selbst, liegt es ihm schon aus imperialistischen Gründen fern, Gradunterschiede aufkommen zu lassen. Juden verkehren mit Nichtjuden als Gleichberechtigte, geschäftlich wie gesellschaftlich. Nach der großen Einwanderungswelle zu Ende des vorigen Jahrhunderts, die bis zum Jahre 1906—1907 dauerte und noch bis zum großen Kriege nachwirkte, gibt es jetzt kaum mehr eine namhafte Einwanderung von Juden nach England, hauptsächlich wegen der noch immer großen (über zwei Millionen) Arbeitslosigkeit. Von sogenannten politischen Flüchtlingen wurden in den letzten zwei Jahren ungefähr 3000 zugelassen, aber viele von ihnen bekommen keine Arbeitserlaubnis. Da aber die große Masse der vorher Eingewanderten aus Rußland kam, das seinen Staatsbürgern unter dem jetzigen Regime keine Bewegungsfreiheit gewährt,, wäre es wohl auch ohne das Einwanderungsverbot zu keiner Einwanderung in großem Stile mehr gekommen. Das Gemeindeleben hängt nur von den Juden selbst ab und ist Privatangelegenheit der Gemeinden und ihrer Mitglieder, da die Beiträge zu den Gemeinden ganz und gar freiwillig sind und keine gesetzliche Grundlage haben. Der Oberrabbiner der führenden Gemeinde, der Chief-Rabbi, wird als geistliches Oberhaupt der englischen Judenheit zu allen größeren Hoffestlichkeiten eingeladen und damit etwa den Bischöfen anderer nichtevangelischer 296

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