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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 297

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Judentum in England
Date
1935-09-01
Page
297 (sequence 5)
Language
German
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Judentum in England Konfessionen gleichgestellt. Der „United Synagogue", deren Oberhaupt der Chief-Rabbi ist, gehören jetzt 25 hauptstädtische und 21 benachbarte Synagogen an, die eine Mitgliederanzahl von ungefähr 11 000 haben und zusammen also ungefähr 55 000 Seelen umfassen. Der ostjüdischen „Federation of Synagogues" gehören 70 Synagogen mit ungefähr der gleichen Mitgliederzahl und wohl größerer (65 000?) Seelenzahl an. Die sefardische Gemeinde — „Spaniol and Portuguese Jews Congregation" — besitzt heute nur drei Synagogen mit ungefähr 1000 Mitgliedern. Die liberale Strömung, die im Jahre 1841 ihren Anfang nahm, gründete damals eine „Reform "-Synagoge, die jetzt unter dem Titel .„West London Synagogue of British Jews" besteht und 1200 Mitglieder hat Eine noch „fortschrittlichere" Gemeinde wurde 1910 von Claude Montefiore gegründet; sie besitzt ein monumentales Bethaus, das „Liberal Jewish Synagogue" benannt wurde und 1500 Mitglieder zählt. Interessant ist, daß die Reform-Synagoge etwas konservativer ist als die liberale, und daß diese wieder um vieles freiheitlicher ist als z. B. die als liberal bekannte Richtung in Deutschland. Die Absicht der Gründer war, durch Erleichterung von Geboten und Weglassung von Verboten das Judentum dem Zeitgeiste näher zu bringen und so den Einzelnen vor dem Abfall zu bewahren. In Wirklichkeit setzt sich die größte Anzahl der Mitglieder der liberalen Synagogen aus solchen Juden zusammen, die dem Abfall schon nahe waren. Ob dies auch für die Dauer einen Zusammenhang mit dem Judentum bedeutet, muß sich erst erweisen. Vorläufig sind Austritte, Mischehen und Taufen gerade in dieser Gemeinde am zahlreichsten. Die größte Gefahr für das Judentum besteht aber ohne Zweifel in der allgemeinen materialistischen und sogenannten wissenschaftlichen Strömung. Naturwissenschaften und Psychologie werden von der Universitätsjugend als Negierung des Gottesglaubens aufgefaßt, und diese Strömung erfaßt auch die Jugend der konservativen, ja zuweilen auch der orthodoxen Kreise. Mischehen sind entschieden seltener in konservativen Kreisen als in liberalen, aber die Neigung der Jugend, zumal der studierenden, zu radikaler und oft atheistischer Weltanschauung ist in jeder Schicht wohl zu gleichen Teilen zu finden. Wie zu allen Zeiten jedoch sind diejenigen, die am jüdischen Gemeindeleben teilnehmen, doch Kinder religiöser Eltern, und trotz der vielen Abfälle bleibt ein genügend großer Kern, der zu der Hoffnung berechtigt, daß sich das Judentum in England lebendig und tatkräftig für die Zukunft erhalten kann. Zum Schluß sei noch der Standpunkt des englischen Judentums zu Zionismus und Palästina erwähnt. Während es vor dem Kriege eine verhältnismäßig nur kleine Anzahl aktiver und bewußter National-Juden gab, hat sich diese seit der Balfour-Deklaration und dem im Anschluß an sie begonnenen Aufbau Palästinas stark 297

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