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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Frankreich und Nordafrika
Date
1935-09-01
Page
278 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Gesa Raschi lung, die Napoleon im wesentlichen zufriedenstellten, indem sie das Judentum auf den religiös - moralischen Bezirk einer Staatskirche beschränkten, wurden durch das Sanhedrin, das am 9. Februar 1807 unter dem Vorsitz des elsässischen Rabbi David Sinzheim zusammentrat, in feierlicher Form bestätigt. Am 17. März 1808 führte Napoleon für die jüdische Gemeinschaft Frankreichs das sogenannte Konsistorialsystem ein, das die Gemeinden in zehn Konsistorien zusammenfaßt und einem Zentralkonsistorium in Paris unterstellt. Die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich im Jahre 1905 änderte diese Verfassung nur insoweit, als die staatliche Zwangsorganisation durch freie Religionsgesellschaften ersetzt worden ist. Rechtliche Unterschiede zwischen „israelitischen" und katholischen oder protestantischen Franzosen existieren nicht. Seit der französischen Revolution ist die Zahl der Juden in Frankreich bis heute auf etwa 230 000 gestiegen, die 0,54o/0 der Gesamtbevölkerung ausmachen. Jede politische Erschütterung, die ein Land Europas überfiel, brachte neue Grupppen von Juden nach Frankreich. In der Zusammensetzung der französischen Juden überwiegen heute die aschkenasischen, die aus Deutschland und Rußland zugewandert sind, bei weitem über die sephardischen Einwanderer aus Nordafrika und von den ägäischen Inseln. Im ersten Halbjahr nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland hatten sich 25 000 Juden nach Frankreich gewandt, von denen aber nur noch 10 000 dort verblieben sind, ohne daß ihre wirtschaftliche und rechtliche Situation im großen und ganzen als stabilisiert angesprochen werden könnte. Von den 230 000 Juden in Frankreich leben in Paris etwa 135 000 (= 4,65o/o), 40 000 in Elsaß-Lothringen (zu gleichen Teilen in den großen Städten und in ländlichen Flecken), der Rest in den Großstädten Marseille, Lyon, Le Hävre und den nordwestlichen mittleren Industriestädten. Nur vereinzelt haben sich Kaufmannsfamilien in kleineren Landstädten niedergelassen. Einen eigentlichen Geburtenüberschuß weist nur die jüdische Bevölkerung des Elsaß auf, die überwiegend religiös konservativ gestimmt ist, während am Bestand des großstädtischen Judentums Austritt und Mischehe zehren. Unter den altfranzösischen Juden erreichen die Mischehen mehr als ein Drittel aller jüdischen Ehen. Die Pariser Juden setzen sich aus Schneidern, Feinmechanikern und kleinen Handelsleuten in den beiden Ostjudenvierteln, mittelständischen Konfektionären und Kommissionären um die rue d'Hauteville, den „Hausvogteiplatz" von Paris, sowie Großkaufleuten, -bankiers und -industriellen und einer geistigen Oberschicht von Ärzten, Advokaten, Professoren und Schriftstellern im mittleren Westen und Südwesten der Stadt zusammen. In den Provinzstädten überwiegt unter den Juden im Süden und Westen der 278

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