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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 225

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Eine Antwort an Ignaz Maybaum
Date
1935-08-01
Page
225 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Max Dienemann: Eine Antwort Citl IgtlCLZ MaybdUm Es erscheint mir notwendig, den Ausführungen Maybaums ein Wort entgegenzusetzen. So durchdacht und ausgezeichnet seine Ausführungen sind, soweit man ihnen auch, insbesondere in der Forderung nach einem parteibefreiten Judentum, zustimmen muß, gibt es da doch Sätze, denen man widersprechen muß: sowohl wegen ihres sachlichen Inhalts als auch deshalb, weil hier schlagwortartig gewisse Vergleiche gezogen werden. Nichts kann aber so gefährlich werden wie Schlagworte, die sich wegen der Prägnanz ihrer Formulierung festhaken und dann das Denken und die Auseinandersetzung vergiften können. Ich lege den Schwerpunkt nicht auf den Widerspruch gegen das, was Maybaum über den von ihm so benannten Gemeindeliberalismus sagt. Es will mir, was das Äußerliche anlangt, zunächst scheinen, daß etwas, was er an Berliner Verhältnissen zu sehen glaubt, in unzulässiger Weise verallgemeinert wird. In der Provinz sieht das meist anders aus. Aber auch was das Innerliche anlangt, dürfte Maybaums Urteil über die Stellung und die Arbeit dessen, was er Gemeindeliberalismus nennt, einer Korrektur bedürfen. Doch diese Auseinandersetzung würde zu weit und womöglich wieder in die zu überwindenden Parteistellungen hineinführen. Man sollte auch mit solchen, den Anspruch der Unbedingtheit in sich tragenden Bemerkungen wie „das religiös-liberale Judentum ist zusammengebrochen" vorsichtiger sein. Maybaum, Theologe, dem selbst alles Liberale nahe ist und am Herzen liegt, muß wissen, daß zusammengebrochen nur der unerwünschte Einschlag des unbeschränkten Individualismus ist, daß aber gerade dadurch alles, was als Gestaltungswille je und je im Liberalismus lebendig war, nur umso lebendiger geworden ist. Ich konzentriere meinen Widerspruch auf die Bemerkung, daß die Stellung des religiösen Liberalismus von seinen Anfängen her in Parallele zum Judenchristentum zu setzen sei. „Das religiös-liberale Judentum ist, in theologischer Begriffsbestimmung, tatsächlich eine judenchristliche Gruppe. Denn der Schnitt, mit dem Paulus seinen Glauben von der jüdischen Geschichte lostrennte, hat sich hier wiederholt. Ein jüdischer Glaube, der sich von der Bindung an das jüdische Volk loslöst, ist judenchristlich . . ." Es sei dahingestellt, ob man, wenn diese Schilderung zuträfe, das Recht hätte, von Judenchristentum zu reden. Ist etwas paulinisch bestimmt, dann wäre es sogar heiden- 225

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