Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Ein Fest in Damaskus
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 223 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Fest in Damaskus Wir wurden wieder in die Halle eingeladen, in der man die Gäste empfangen hatte; sie erhielt nur das Licht von außen her, und es war ein magisches Dämmern in ihr. Die ganze Gesellschaft saß wieder, wie wir sie schon geschildert haben, rauchend und Kaffee trinkend. Die Frauen fingen, um die Gäste zu ehren, zu tanzen an. Es erhoben sich zwei aus dem Kreise, näherten sich uns, und die Rechte an Stirne, Herz und Lippen legend, berührten sie — wir, um den Gruß zu erwidern, mußten aufstehen — mit den Fingern flach und leise unsere dargebotene Rechte. Wir setzten uns wieder, um die beiden Frauen, die die lärmende Musik des uns bereits bekannten Quartetts mit eigentümlichen Bewegungen und mit dem hölzernen Geklapper von Kastagnetten begleiteten, tanzen zu sehen. Jede der Frauen bewegte sich selbständig, ohne auf die andere Tänzerin Rücksicht zu nehmen. Sie legten abwechselnd die linke und die rechte Hand an die Stirne, etwa so wie bei uns ein Offizier salutiert, und gingen in einer Art Kotillonschritt im Kreise herum. Zuweilen schritten sie vor und wieder zurück, um sich, wrenn das Tempo der Musik rascher wurde, um sich selbst zu drehen. Selten stemmte eine Tänzerin, als höchste Entwicklung einer graziösen Haltung, die Hand stolz in die Hüften, wobei sie den Kopf nach rückwärts bog. Meist, wenn die Hände nicht eckig ausgestreckt mit den Kastagnetten klapperten, legten sie dieselben mit dem Rücken auf die Lenden. In den Zügen war keinerlei Erregung, kein Temperament zu bemerken; der Tanz machte den Eindruck von prächtig geschmückten, mechanisch bewegten Figuren. Der Tanz dauerte etwa zehn Minuten, die Tänzerinnen grüßten uns wieder wie vor dem Beginn des Tanzes, die Männer klatschten lebhaft Beifall, und ein zweites, drittes Paar begann, bis alle Frauen uns in eine narkotische Langeweile versetzt hatten. Keine von den Frauen war über vierzig Jahre alt; die jüngste, aus der reichen und durch ihre Schicksale berühmt gewordenen Familie der Farchi, zählte zwölf Jahre und war vor vier Wochen einem achtzehnjährigen Jünglinge vermählt worden. Es war ein ideal schönes Kind, mit jenen rund großen, von langen Wimpern Das September/Okioberheft erscheint als Sondernummer unter dem Tiiel: Judenium in der Welt unter Mitarbeit zahlreicher ausländischer Fachkenner 223