Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Ein Fest in Damaskus
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 222 (sequence 5)
- Language
- German
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Ludwig Frankl unterstützten ihn mit Messern und Gabeln, deren Stiele sie auf dem Tisch wie Schlegel auf einer Trommel mächtig wirbeln ließen. Der so Angeschriene und Ausgetrommelte hatte die Verpflichtung, aufzustehen und zu danken. Es wurde wie ein Hereinbrechen einer andern,;kühnen Welt betrachtet, als ich den auf mich ausgebrachten Toast durch einen andern erwiderte, den der geistvolle Kanzler des österreichischen Konsulates mir ins Spaniolische.— welchen verdorbenen Jargon allein die Frauen in Damaskus sprechen — übersetzte. „Ich habe seit meiner Jugend von den Rosen von Damaskus gehört, sie sind im Abendlande berühmt und durch das paradiesduftende Rosenöl bekannt. Aber hier angelangt über weite Länder und Meere, haben sie allen Glanz für mich verloren, seit ich die Frauen von Damaskus sah und ein herrlicher Kranz von ihnen mich umgibt. Ich werde, in meine Heimat zurückgekehrt, fortan nur von den Frauenrosen von Damaskus erzählen!" Es herrschte tiefe Stille, wie auf der See, ehe der Sturm losbricht. Die Frauen klopften nach einer Sekunde so heftig mit den Stielen der Messer und Gabeln auf den Tisch, daß da und dort manche klirrend abbrachen. Als dieser Sturm sich legte, gaben sie gegenseitig mit jenem leichten Schnalzen der Zunge, mit dem auch Italiener und Juden in Europa ihre Verwunderung ausdrücken, ihr Erstaunen zu erkennen. Dabei wiegten sie ihr Haupt verwundert hin und her, daß es in der Halle wie hunderttausend Blitze von ihrem Kopfschmuck zuckte: rote, grüne, weiße, gelbe Funken und Strahlen der Edelsteine. Als ich gegen einen Herrn über den außerordentlichen Reichtum an Diamanten und ihre Größe mein Erstaunen äußerte, vertraute er mir an, daß nicht alle Eigentum der Damen sind. Die Juden von Damaskus — die reichsten unter ihnen — leihen auf Pfänder, meist auf Schmuck, und ihre Frauen finden es, solange er nicht eingelöst wird, ganz natürlich, sich mit den versetzten Edelsteinen zu schmücken. Nach zwei Stunden wurde die Tafel aufgehoben. Wir traten in den freien Raum hinaus und wurden durch eine eigentümliche Beleuchtung desselben überrascht. In jedem europäischen Garten würden uns die an Schnüren hängenden Glaslampen wenig Eindruck gemacht haben. Hier aber, wo sie Orangen und rote Mandelblüten beleuchteten, auf Palmenblätter ihre Schimmer warfen und die in buntesten Farben und Trachten einherwandelnden Menschen verklärten, schienen sie aus Rubin, Smaragd und Topas geschliffene Zauberlampen aus den Märchen der Tausendundeinen Nacht. Auf dem Bassin selbst schwammen in Lampen, die aus Kork geformt waren, Lichter, welche von Kindern als kleine Lichtkähne hin und her getrieben wurden. Über all der Szene schwebte der klarste Vollmond. 222