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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Ein Fest in Damaskus
Date
1935-08-01
Page
221 (sequence 4)
Language
German
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Ein Fest in Damaskus Braune Sklavinnen, weiße Dienerinnen und Diener gingen ab und zu, um bald Kaffee, bald die Pfeife zu reichen. Die weiblichen Diener trugen hölzerne, einen halben Schuh hohe Sandalen, so daß sie schon aus der Ferne durch ihr klipp klapp sich ankündigten, und legten sie jedesmal ab, ehe sie zu uns auf den Teppich traten. Diese Sandalen, durch einen Riemen über dem Rist festgehalten, zwingen dazu, den Oberleib steif und nach rückwärts geneigt zu halten, während die Füße sich vorschieben müssen, um die Sandalen nicht zu verlieren. Die Fußbekleidung rein zu erhalten, ist in den offenen, freien Räumen der orientalischen Häuser, wenn es regnet, sehr nötig, um nicht die oft kostbaren Teppiche zu verderben. Um das Wasserbecken haben sich jetzt vier Musikanten gelagert; Zimbal und Trommel, Klarinette und Tamburin beginnen ein wunderliches Quartett, ein Chaos von Musik, das sich zuweilen zur böhmischen Polka und Kalamaika auflöste. Mir war, als ich diese aus meiner Heimat herüberklingenden Töne in dieser Umgebung hörte, als sähe ich weiß mehlige Erdäpfel zwischen goldenen Datteln liegen. Wenn ein Musikstück vorüber war, fingen die Männer zu singen an, jenen wunderlichen arabischen Gesang, den man in Synagogen des Abendlandes, als polnisch geschnörkelt und genäselt, oft verspotten hört. Ich fragte meinen Nachbar, was sie sängen? Er antwortete mir: „Wir hören diese Lieder von Jugend auf, sie sind uns so gleichgültig, daß wir nie nach den Worten fragen." Höre ihnen zu, und sage mir dann, was sie singen. „Ich höre, daß sie arabisch singen, ich kann aber die Worte nicht unterscheiden." Nach etwa zwei Stunden, gegen sechs Uhr abends, munterte uns der Hausherr mit Händeklatschen auf, ihm zur Tafel zu folgen. Wir traten in eine zweite Bogenhalle, wo eine reich mit Silber geschmückte und in glänzender Beleuchtung stehende Tafel gedeckt war. Ich beklage es, die völlig fremdartig zubereiteten und seltsam schmeckenden Speisen nicht schildern zu können. Die arabische Küche hat eben ihre Kunstgesetze wie die französische oder jede andere. Es verdient erwähnt zu werden, daß wir auf vierbeinigen Stühlen saßen und mit — Messer und Gabel speisten. Es muß dies als ein Grad vorgeschrittener Bildung und einer von Europa hereinbrechenden Verderbnis, die das naive Essen mit den Fingern immer mehr verdrängt, besonders bemerkt werden. Die Toaste wurden in einer eigentümlichen Art ausgerufen und mit einem noch originelleren Lärm begleitet. Der Herr des Hauses rief zum Beispiel Ewiva Signore Barone Rothschild e tutta la sua famiglia. Die Männer schrien nun alle im Chore diesen Ruf nach, die Frauen 221

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