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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Ein Fest in Damaskus
Date
1935-08-01
Page
220 (sequence 3)
Language
German
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Ludwig Frankl roter und blauer Farbe gekleidet. Unter den Röcken hervor und um die Lenden mit einem buntfarbigen Gürtel festgehalten, schimmerte das meist rot- und weißseidene Beinkleid, die gelben oder roten, reich mit Gold gestickten Pantoffel. Der Oberleib war mit einem ebenfalls seidenen weißen Westchen, mit Gold oder Silber gestickt, bekleidet, das, vorne offen, die Brust auch der Matrone sehen ließ. Darüber trugen sie einfarbige seidene Jacken von allen Farben des Regenbogens mit weiten, geschlitzten Ärmeln und reicher Goldstickerei. Rosensträuße von gesponnenem Golde glänzten als Epauletten darauf. Das Kostbarste aber war der rote Fes mit goldener Quaste, von Perlen- und Diamantenschnüren, von Rubinrosen und smaragdenen Blättern völlig überhängt. Die Frauen im Orient tragen ihren Schmuck immerfort, sie ziehen es vor, täglich in seinem Glänze vor ihrem Gatten zu erscheinen. Welche Schönheit glänzt uns von diesem Frauenkreise entgegen? Alle sind geschminkt, Lippen, Wangen und Augen; die letzteren in den Winkeln und an den Rändern der Augenlider hin, so daß die Augen einen eigentümlichen Emailglanz zeigen, und die dunkelsten selbst, wie alle im Orient, fremdartig verklärt erscheinen. Der schönste Schmuck der Augen, die Brauen, ist glatt wegrasiert; dafür ist über jedem Auge ein schwarzer halber Bogen, hoch in die Stirne und an der Nase verbunden, künstlich aufgemalt. Die Frauen entbehren somit einer Schönheit, die seltsam genug von orientalischen Dichtern mehr denn von den abendländischen besungen wird, und ersetzen sie geschmacklos durch diese wunderliche Brauenmalerei, die bei allen nach einer bestimmten Zeichnung gleichförmig ist und dem Gesicht einen monotonen, fast komischen, larvenhaften Ausdruck gibt. Da überdies durch die Augen-, Wangen- und Lippenschminke jede natürlich unterscheidende Färbung des Teints wegfällt, so sehen sich alle mehr oder weniger ähnlich. Die Frauen saßen gekreuzter Beine, bliesen blaue Rauchwolken empor, während die Wasser der kristallklaren Nargilehs, die vor einer jeden standen, gurgelten und kleine Rosenblätter darin es bei jedem Zuge wie einen roten Schneefall wirbeln ließen. Da keine der Frauen sprach, sie vielmehr alle gedankenlos vor sich hinblickten, so machten sie den Eindruck von Menschen, die mit offenen Augen schlafen, und die gurgelnden Nargilehs konnten immerhin für ein unangenehmes Schnarchen gelten. Nur die Haltung war malerisch: in die Polster des Diwans gelehnt, den Oberleib bald liegend, bald zur Seite geneigt, stützten sie die Arme auf und legten das Haupt in die flache Hand, deren innere Fläche und Nägel bei mancher mit Henna gelb gefärbt waren. 220

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