Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Ein Fest in Damaskus
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 219 (sequence 2)
- Language
- German
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Ein Fest in Damaskus Wie alles Glück des Orientalen in seinem Hause verborgen und kein Gemeinsinn in ihm geweckt ist, so hat er hier auch in selbstsüchtiger Weise alle Pracht und jeden Reichtum auf das Innere verschwendet und den Genuß daran aller Außenwelt abgesperrt. Meist tritt man durch einen sehr schmalen, niedrigen, oft dunkelwinkeligen Gang in ein Haus. Es ist ein Zugang etwa wie zu einem Stall oder im besten Falle zu einer Hütte der Armut. Hat man aber das Ende eines solchen Zugangs erreicht, so tut sich mit einem Male ein zaubervoller Raum auf. Springbrunnen, um welche Orangen- und Mandelbäume gepflanzt sind, verbreiten Kühle, Duft und Glanz. Zuweilen überschattet eine Palme den Raum, und Blumen aller Art funkeln und fesseln das Auge. Zuweilen ist dieser ganze Raum in einen schattigen Garten umgewandelt, in welchem die rauschenden Brunnen springen und Nachtigallen ihr Lied ertönen lassen. Der luftig freie, mit bunten Fliesen mosaikartig gepflasterte Raum, auf den ein tiefblauer Himmel sich niedersenkt, ist meist an drei Seiten von offenen, in einen spitzen Bogen zulaufenden hohen Hallen umgeben, deren Wänden entlang Diwane sich hinziehen. Aus diesen Hallen zur Linken und Rechten tritt man in hohe Säle, in Prunkzimmer, die mit bunten Marmorarten, mit Gold, mit Perlmutter verziert sind. Landschaftliche Gemälde, in denen meist Paläste und Minarette sich unperspektivisch darstellen, unterbrechen zuweilen den Marmor, oder reichvergoldete Türme, hinter denen sich in Schränken kostbare Geräte aus Silber, Gold, Porzellan und Kristall befinden. In einer offenen Bogenhalle, wie wir sie geschildert haben, einem bäum- und blumenüberschatteten Wasserspiegel in marmorner Einfassung gegenüber, versammelten sich die Gäste. Wir Europäer waren um vier Uhr, zur festgesetzten Stunde, gekommen und zum Sitzen eingeladen, es wurden uns sogleich Kaffee, in Eis gekühlte Limonade und Tschibuk mit wolkig schönen, honiggelben und von Edelsteinen eingefaßten Bernsteinspitzen gereicht. Echt orientalisch, weder Zeit noch Stunde achtend, kamen allmählich die Gäste, Herren und Frauen, die letzteren alle in weiten, weißen Mänteln und tief verschleiert. Braune Sklavinnen, die ihnen folgten, nahmen ihnen Mäntel und Schleier ab, aus denen sie wie bunte Schmetterlinge aus weißen Blüten sich hervorhoben. Wenn eine der Damen kam, nahm sie neben uns auf dem Diwan Platz und führte den ihr sogleich dargereichten, in Silber endenden roten Schlauch des Nargilehs an den Mund. Die ganze Gesellschaft erhob sich, sooft eine kam, bis an zwanzig Frauen versammelt waren. Es war ein seltsamer, fremd-neuer Anblick. Die Frauen waren alle in schwere damastene blumige Seidenstoffe von grüner, gelber, 219