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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 212

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Vor dem Untergang des Zweiten Tempels
Date
1935-08-01
Page
212 (sequence 5)
Language
German
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Nachman Krochmal zum erstenmal in Vergessenheit gerieten; mehr noch alle esoterische Lehre und selbst das Wissen, das die äußeren menschlichen Verhältnisse ordnet. Und wenn auch nach der Befriedung des Landes und nach Wiederherstellung der Monarchie unter dem neuen König die Gesetze und Verordnungen der neuen Lehrer, der Vorsteher der beiden hohen Lehrhäuser Hillel und Schamai, einigermaßen zur Geltung gelangten (Herodes ließ sie am Leben, weil sie zu denen gehörten, die im Rat dafür stimmten, ihm die Stadt zu öffnen), blieb doch das Vergessene und Untergegangene ein unersetzlicher Verlust, zumal da bis zu dieser Zeit alle Satzung und Vorschrift mündlich überliefert wurde. Dazu kommt, daß durch die überall eingerissene Verderbnis in dieser Zeit der Wirren auch die alte Art und die Methoden der Auslegung und Gewinnung der Einsichten beim Bestimmen der Satzungen sich so sehr zu deren Nachteil veränderten, daß der Streit der Schulen untereinander überhandnahm, Gewalttätigkeiten vorherrschten und mit den Gesinnungen auch die Herzen voneinander geschieden wurden. Ferner wird der einsichtig Prüfende bemerken, daß unsere Weisen während der drei Generationen des Herodes bis zur Zerstörung des Tempels immer mehr Verordnungen erließen und Maßnahmen trafen, die als Erschwerungen, verschärfte Scheidung zwischen Rein und Unrein und abhaltende Verbote weit über alles Bisherige hinausgingen____Zu ihrer Rechtfertigung wird der Verständige finden, daß sie bei diesem Verfahren, nach Maßgabe des Zustandes ihrer Zeit, unzweifelhaft sich an jene vorbildlichen, vom Heiligen Geist inspirierten Männer hielten, welche die ersten Heimkehrer aus Babylon zurückgebracht, und an die Frommen jener Generation, die den siegreichen Kampf gegen die Griechen durch ähnliche Verordnungen und Erschwerungen geführt hatten. Und von dieser Seite her kann Sinn und Absicht dieser Maßnahmen unter Verhältnissen gebilligt werden, die den kulturellen Bestand und die Sitten der Väter besonders gefährdeten. Es hatte aber auch seine böse und schädliche Seite. Denn in jenen älteren Zeiten war der äußere Zustand zwar schlimm und schwierig, jedoch das Herz rein und der Geist des Volkes im allgemeinen aufrecht, verbindend und einigend; weshalb auch die Wirkung der Verordnungen der Weisen sich nach Maß und Art erfolgreich erwies und für den Bestand und die Wohlfahrt des Volkes förderliche Ergebnisse zeitigte. Anders jetzt, da Herz und Geist des Volkes durch die bösen Ereignisse und den mutwilligen Frevel, die im ganzen Lande und in der heiligen Stadt geschehen waren, im Innersten und an der Wurzel beschädigt waren. Wenn es den Weisen auch gelang, den religiösen Bestand zu wahren und in Beziehung auf die Werke im individuellen Sinne gewisse Ergebnisse zu erreichen, so bewies doch die letzte Prüfung, daß in Beziehung auf 212

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