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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Eine Juden-Novelle von Stendhal
Date
1935-07-01
Page
191 (sequence 3)
Language
German
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men, der für ihr Wesen kennzeichnend ist. Und wie bei ihnen kreistseineSehnsucht um die Macht. „Es war meine einzige Passion, die ich je gehabt habe", sagt der jüdische Held Stendhals vom Gelde gleich am Eingang der Erzählung, und wir müssen es leitmotivisch auffassen — Geld als Mittel zur Macht! Darin — und nur darin! — hat es Stendhal gereizt,den Zug dieses Lebens zu verfolgen. Das Jüdische als solches ist nur eine der Bedingungen für das Wesen seines Helden. Stendhals Judennovelle wurde vollendet von — Balzac, seinem ersten Bewunderer, der sie nicht kennen konnte, da sie erst fünf Jahre nach dessen Tode veröffentlicht wurde. Er hat darum auch nicht das Werk, sondern nur die Gestalt vollenden kön- Die Schocken-Bücherei Die kleine Bücherei des Schockenverlags hat mit der Zeit ihren Rahmen immer weiter gespannt: zu den Werken der älteren jüdischen Literatur, die sie in überlegter Auswahl, in sorgfältigen Ausgaben und schöner Ausstattung darbietet, kommen in wachsendem Maße auch neuere und neueste. Dazu hat sie sich auch durch Ausgabe von Doppelbänden von gelegentlich zu engen Raumgrenzen befreit. Das Kernstück der Sammlung bietet die Wiedergabe alten haggadischen Gutes, in dem sich jüdische Lehre, lebendige Erzählung und unbefangene Darstellung alten Volkslebens vereinigen. Rahel und Emanuel ben Gorion haben solche Stücke zu einem Kinderbuch vereinigt oder in dem Legendenkreis der „Zehn Märtyrer" die Midrascherzählungen nen — mit seinem „Gobseck". Wie Filippos Jugend mochte die dieses Wucherers ausgesehen haben: zwei Juden, die Existenzen eines Zeitalters mit napoleonischem Beispiel sind. Im „Gobseck" fällt das Wort: „Ich bin reich genug, um die Gewissen derjenigen zu kaufen, die die Minister an ihren Drähten ziehen lassen, von ihren Büroschxeibern bis zu ihren Geliebten: ist das nicht Macht? Ich kann die schönsten Frauen und die zärtlichsten Liebkosungen haben — ist das nicht Vergnügen? Macht und Vergnügen, liegt darin nicht unsere ganze Gesellschaftsordnung?" Hier liegt die weitere Absicht zutage: auch Balzac zeichnet (und kritisiert) in dem Helden seine Zeit. Lutz Weltmann um Rabbi Akiba zusammengestellt; Max Dienemann übersetzt Midraschim der Klage und des Zuspruchs. Aus dem Mittelalter schließt sich das von Ludwig Strauß herausgegebene jüdisch-deutsche Maaßebuch an, ebenso treu und fein übersetzt wie seine Sammlung der schönsten und tiefsten jüdischen Volkslieder; unter dem Titel „Botschaft" hat Ludwig Strauß auch eigene Erzählungen beigesteuert. Jüdische Volkskunde der Gegenwart bieten eine Anthologie „Von den Juden Jemens" von S. D. F. Goitein, und ganz besonders glänzend die Sammlung ost jüdischer Schwänke und Erzählungen, die Immanuel Olsvanger als „Rejte Pomeranzen" herausbringt; unaufdringlich knappe Übersetzungshilfen machen dieses Jiddisch glatt lesbar und lassen damit dem Buch jene Originalität, die es in jeder Nacherzählung verlieren 191

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