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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 181

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Prosperity und die Idee des Zionismus
Date
1935-07-01
Page
181 (sequence 4)
Language
German
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Prosperity und die Idee des Zionismus ihr Pionierideal erhalten. Der Gegensatz wurde immer größer. Die neue Wirtschaft, eine Konjunkturwirtschaft, welche zu möglichst schnellen und großen, aber physisch mühelosen Gewinnen drängt, verurteilt durch ihr Wesen das alte Pionierideal zum Untergang, das auf sozialer Gerechtigkeit und auf intensivster persönlicher Verbundenheit des Nutznießers mit dem Boden gegründet ist. Der Bauer wird zum Kaufmann mit Bodenprodukten, zum kapitalistisch interessierten Produzenten eines nicht lebenswichtigen Luxusartikels (— auf der andern, der arabischen Seite wurde es nicht der Bauer, sondern der Effendi —), so daß schließlich zwangsläufig auch eine Änderung der Mentalität eintreten mußte. Wir wissen aus Beispielen, welche die Plantagenwirtschaft der andern subtropischen und tropischen Länder uns gibt, daß diese Art von Wirtschaft eine Pflanzergesinnung erzeugt, die mit idealistischen Motiven wenig zu tun hat. Sie ist die Gesinnung des mit der Frucht des Bodens Spekulierenden, der nur innerhalb der Grenzen der Gewinnmöglichkeit national wirken darf. So ist es selbstverständlich, daß die politischen Tendenzen einer Bewegung, in der eine derartig geistig und wirtschaftlich bestimmte Schicht führend ist, eine Politik des Augenblicks und seiner zweckbestimmten Bedürfnisse herausbilden müssen, die beinahe immer der langsichtigen Pionierpolitik genau entgegengesetzt ist. Es scheint ein typischer Ausdruck dieser Zeit, daß die Sehnsucht des kleinen Mannes in Palästina nicht die des Europäers nach ein paar Pfunden oder nach einer Versicherung für die Tage des Alterns, sondern die nach ein paar Dunam Orangenboden ist. Es ist daher kein Zufall, und darin zeigt sich die Zweigesichtigkeit des politischen Zionismus dieser Tage, daß gerade die nationalchauvinistische, die revisionistische Partei im Zionismus programmatisch die Ansiedlung von Groß- und Kleinkapitalisten auf Orangenböden fördert und für eine geschlossene kleinbürgerliche Einwanderung eintritt. Sie tut es wohl in erster Linie aus all den politisch-propagandistischen Erwägungen, welche die Hallung dieser Gruppe auch sonst bestimmen, aber sie ist trotz ihres so stark betonten Nationalismus gerade im nationalen Bezirk inkonsequent. Der Revisionismus übersieht, daß die Pflanzermentalität jeder nationalen Einstellung entgegenwirkt, er vergißt, daß der Pflanzer ein sehr unsicherer Kantonist sein muß, denn er kann schon das Alpha des nationalen Programms, die Forderung nach Eroberung des Arbeitsmarkles durch seine Volksgenossen, nicht mitmachen. Wenn auch Sklavenarbeit in Palästina verboten ist, muß er dennoch den „farbigen" Arbeiter mit niederem Lebensstandard dem weißen, dem konnationalen Arbeiter vorziehen. Der ,.farbige" Arbeiter ist nicht organisiert und überdies zumeist in der Landwirtschaft seines Stammes, auf den er sich im Falle der Arbeitslosigkeit zurückziehen kann, verwurzelt; er verkauft seine Ar- Im Juniheft erschien u.a.: Lösung und Lösungen J Frilz Heinemann, Die Stunde der jüdischen Philosophie I Margarete Susman, Vom geistigen Anteil der Juden im deutschen Raum / Jakob Picard, Der Ruf. Eine Anekdote / Palästinensisches Theater Im Augustheft schreiben u. a.: Fritz Friedlaender, Der Jude im Wandel der Reichsidee l Nachman Krochmal, Vor dem Untergang des Zweiten Tempels (eingeleitet von Efraim Frisch) i Emst Simon, Perspektiven der geistigen Entwicklung Palästinas 181

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