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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 182

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Prosperity und die Idee des Zionismus
Date
1935-07-01
Page
182 (sequence 5)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel: Prosperity und die Idee des Zionismus beitskraft natürlich weit billiger, als es der jüdische Arbeiter imstande ■wäre. Er ist also der ideale Arbeiter für Pflanzungen, um so mehr, als auf diesem Gebiet Facharbeit nur im kleinsten Maß gefordert wird. Der nationalistische Revisionismus, der auf der einen Seite täglich bereit ist, einen jüdischen Staat in Palästina zu proklamieren, und der daher die einzig mögliche Forderung, die nach dem bi-nationalen Staat, als Verrat bezeichnet — dieser hypertrophische Nationalismus, der auch stets dazu neigt, einen autarken jüdischen Wirtschaftskörper in dem jüdisch-arabischen Wirtschaftsraum zu fordern, begünstigt das in der Plantagenwirtschaft gesammelte Klein- und Großkapital, obgleich es antinational oder zumindest a-national wirkt und sich, im gegebenen Fall, aus naheliegenden Wirtschaftsgründen auch gegen eine Staatenbildung auswirken würde. Diese negative Funktion äußert sich am sichtbarsten dadurch, daß es die Eroberung des Arbeitsmarktes durch die jüdische Arbeiterschaft ebenso stört, wie es sein Gegenspieler, die bolschewistische Propagandazelle in Palästina, zu tun versucht. Damit ist aber das Problem der Strukturänderung in der Gesellschaft Palästinas natürlich keineswegs erschöpfend dargestellt. Zu diesem Drang in die Orangenwirtschaft gesellt sich nun noch die — insbesondere durch die kapitalstarke deutsche Einwanderung der letzten zwei Jahre ausgelöste — Tendenz vom Land in die Stadt. Die Prosperity im Baugewerbe, das beängstigend schnelle Anwachsen der Städte und insbesondere die Scheinprosperität der beinahe gänzlich auf den Binnenhandel berechneten Luxusgeschäfte in den Städten, all das, was in den letzten Jahren das Antlitz des Landes durchaus gewandelt hat und sicherlich nicht ohne Berechtigung als Inflation mit umgekehrten Vorzeichen bewertet worden ist, all das ohne Tendenz zur Umschaltung aus Europa nach Palästina übertragene, zieht wie ein glühendes Phantasiebild leichter Verdienstmöglichkeit den schwer um sein Leben ringenden Landarbeiter in die Stadt. Der Vorgang, den Europa seit fünfzig oder siebzig Jahren genau kennt, wiederholt sich in Palästina, wobei aber die Gefahr, anders als in Europa, über Nacht zu einer elementaren, die Gesamtwirtschaft in Frage stellenden werden kann. Wohl sickert — trotz der Einwanderungsbeschränkungen — ein dünner Strom von Neueinwanderern auch aufs Land hinaus, aber es darf nicht vergessen werden, daß diesen Neuen in den meisten Fällen nicht nur der große innere Antrieb aus dem nun schon spärlich werdenden Neubruch, aus der Landnahme, fehlt, der bestimmend ist für die Bildung einer Arbeitsgesinnung, sondern auch die rein praktische, für die Weiterführung des landwirtschaftlichen Werkes wichtige Erfahrung der alten Pioniere. Es ist hier nicht der Platz, diese sehr interessante Problem-Anhäufung, die auch für andere Länder mit Siedlungsbewegungen beispielhaft ist, bis in ihre letzten Folgerungen zu untersuchen. Es ist nur zu konstatieren, daß der Zionismus von der Prosperity in seinen Lebenszentren bedroht wird. Er ist auf einem Punkt angelangt, wo sich die Wege trennen: der eine führt ins Sumpfland der Konjunktur und in die leichten Gewinne, die neben geistigen und gesellschaftlichen auch furchtbare wirtschaftliche Gefahren bergen, während der andere, der ungleich schwierigere, in die harten schweren Böden solidarischen — also nicht auf den nur individuellen Aufbau individueller Wünsche gerichteten — Aufbaus hinausführt, wo der Wunsch des Einzelnen sich der Notwendigkeit der Gesam theit unterordnet. 182

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