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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Prosperity und die Idee des Zionismus
Date
1935-07-01
Page
180 (sequence 3)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel schaften in Frage, wiewohl die Chaluzim Opfer brachten, die für europäische Verhältnisse unvorstellbar waren. Nun, im entscheidenden Augenblick, da alles auf dem Spiel stand, Leben, Eigentum, Bewegung und die Romantik der Bewegung, kam man zu der erlösenden Erkenntnis, daß Monokulturen dieser Zeit nicht entsprechen, besonders nicht in einer kapitalarmen kleinen Gesellschaft, die in den ersten Anfängen steht. Man begann Teile des Getreidelandes mit hochwertigem Obst, mit Orangen und Bananen, und im verstärkten Maß wieder mit Wein zu bebauen, nachdem früher die überaus groß angelegten Weinversuche der philantropischen Vorläufer des Zionismus in ein kritisches Stadium getreten waren. Dies war, wie es im ersten Augenblick den Anschein hatte, ein Kompromiß mit dem Geist, dem man sich durch die Abkehr von Europa entziehen wollte, unausgesprochen auch ein Schritt zum Verzicht auf das Opferideal, aber die Konzession trug ihre Früchte: die Rentabilität der Wirtschaft stieg. Dann aber, je weiter das Land aus seiner heroischen Epoche in einen sozusagen normalen Zustand überging, wurde es von kapitalistischen Wirtschaf tsmethoden durchdrungen. Kolonialkapitalismus trat neben Binnenkapilalismus mit oder ohne Exporttendenzen auf. Beide nahmen mit den patriarchalischen und halbpatriarchalischen, den arabischen und den „jüdischen" Wirtschaftsformen den Kampf auf: Palästina wurde Europa nahegerückt. Plötzlich trat überdies etwas ein, mit dem man, zumindest in diesem Umfang, in den Gründer jähren kaum gerechnet hatte. Die Orange Palästinas begann in Europa und besonders in England erhöhte Aufmerksamkeit zu erregen und vermochte überraschend schnell in erfolgversprechende Konkurrenz mit der spanischen und der italienischen Frucht zu treten. Die Folge dieser Tatsache, über die, wie gesagt, die Schrittmacher der Idee, Palästina mit Juden zu besiedeln, sich ebenso wenig Sorgen gemacht hatten, wie etwa — um einen naheliegenden Vergleich heranzuziehen — über die sehr reale Existenz der Araber in Palästina, läßt sich etwa mit den Folgen der ersten Goldfunde in Klondyke vergleichen. Es trat ein Konjunkturrausch ein, der vor allem die kapitalkräftigen Kreise der Landwirtschaft und gleichzeitig auch jene Kapitalisten ergriff, die bislang mit dem Boden nur in Form von Bodenrente und Bodenzins zu tun gehabt hatten. Es begann ein Run auf leichte Böden, die für Zitrusfrüchte geeignet sind, weite Strecken weit wurde der Wein ausgehackt, so daß, wenige Jahre nach Einführung systematisch geplanter Wirtschaften, die Tendenz zur Monokultur wieder übermächtig wird. Nun aber heißt es nicht mehr, daß die Kornkultur die einzige Möglichkeit ist; nun beherrscht die goldgelbe, die wie Gold gelbe Apfelsine das Feld. Die erste und für die Struktur der Gesellschaft richtunggebende Folge war das Auftreten einer Tendenz, Menschen, die über mehr als ihre physischen Kräfte (und über den in diesem Land beinahe ebenso wichtigen Idealismus) verfügten, Menschen mit Kapital also zu ermuntern, sich in die Landwirtschaft einzuordnen. Es trat eine immer deutlicher werdende Schwergewichtsverschiebung in die Richtung zur Küste auf, wo leichte Böden in großem Umfang zu finden sind, und infolgedessen machte sich eine immer deutlichere Scheidung zwischen dem volkswirtschaftlich und gesellschaftlich ständig einflußreicheren Orangenkapital einerseits, den Kommunen und den um ihre Existenz ringenden Kleinbauern anderseits bemerkbar. Trotzdem blieb den Getreidebauern, die in ihrem idealistischen „Eigensinn14 und ihrer wirtschaftlichen Unschuld schwer bedroht waren, 180

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