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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Alt-Berliner Puppenspiele
Date
1935-07-01
Page
173 (sequence 3)
Language
German
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Alt-Berliner Puppenspiele jüdische Art der Güte, sein schlagfertiger Humor, der ihn in witzigen Anekdoten fortleben läßt, schufen ihm viele Freunde. Ein literarisches Verdienst hat er aber vor allem auch als Sammler: seine literarhistorische und berlinische Bibliothek stand in Art und Umfang einzig da. Im Jahre 1913 hat Fedor von Zobeltitz die zehntausend Nummern umfassende Sammlung für die Deutsche Bibliophilen-Gesellschaft katalogisiert. Und in der Theaterabteilung der Sammlung finden sich nun auch die letzten Alt-Berliner Puppenspieltexte, deren Gotthilf Weisstein noch hatte habhaft werden können. Einen der originellsten Texte gab Gotthilf Weisstein neu heraus, ihn so vor der Vergessenheit rettend, in die er mittlerweile freilich wieder fiel: Sylvius Landsbergers „Don Carlos, Der Infantrist von Spanien, oder Das kommt davon, wenn man seine Stiefmutter liebt. Spanische Lokalposse mit starkem Berliner Beigeschmack und sehr vielen Couplets in drei lustigen Akten." Sylvius Landsberger ist ursprünglich Buchhändler und Verleger gewesen. Um 1847 besaß er ein Geschäft in Gleiwitz; erst nach der Revolution scheint er sich in Berlin niedergelassen zu haben. U. a. erschienen bei ihm unter dem Pseudonym Brennecke mehrere Bücher des vollkommen vergessenen Humoristen Hopf: „Brennecke in Southampton" und „Brenneckes Reise nach der Republik Krankreich und sein Besuch beim Präsidenten Louis Schnappoleon oder die beiden Staatsstreiche". Von sich selbst brachte Landsberger in seinem Verlag außer dem „Don Carlos" das Stück heraus: „Onkel Tom, der Berliner Negersklave. Große heroisch-romantisch-historisch-komische Oper. Trauer-, Schau-, Lustpiel und Posse mit und ohne Gesang, in drei fürchterlichen Aktenstücken und einem Pro-, nebst mehreren Mono-, Dia- und Triologen. Ort der Handlung: Amerikanische Türkei." Schließlich hat Landsberger auch noch ein Puppenspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua — frei nach Schiller" geschrieben; der Text ist wohl nicht mehr erhalten, nur noch eine Auswahl der Couplets. Sein „Don Carlos" wurde nach Inseraten in Berliner Blättern zum erstenmal im Dezember 1851 aufgeführt. Ein Kritiker aus jener Zeit gibt den Inhalt des Stückes folgendermaßen wieder: „Kasper... ist bei der Schwester der Königin von Spanien zu hohen Ehren gekommen. Er ist Leibkoch der Prinzessin Eboli geworden und als solcher die wichtigste Person im Staate. Er hat wie Talleyrand und andere Personen den Grundsatz, daß Verträge nur dazu da sind, um gebrochen zu werden, und Sprache und Couplets, um unsere Gedanken zu verbergen. Mit diesen Waffen der Intrigue gelingt es ihm und dem Freunde des Don Carlos, dem Markis Posa, den König durch ein eigenes Medikament aus dem Wege zu räumen und den Infanten mit seiner Stiefmutter als Königspaar zu vereinigen, wodurch das ritterliche spanische 173

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