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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Alt-Berliner Puppenspiele
Date
1935-07-01
Page
174 (sequence 4)
Language
German
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Erich Rott: Alt-Berliner Puppenspiele Sprüchvvort ,Weiße Hände kränkt man nicht' selbst in der Nähe des Gendarmenmarktes befolgt wird." Die Hauptakteure werden im Personenverzeichnis folgendermaßen eingeführt: Philipp der Ixte, König von Spanien. Etwas jähzornig und immer in Geldverlegenheit. Hulda, seine linker Hand angetraute Gemahlin. Früher Putzmacherin in Paris und sehr geliebt von: Don Carlos, Kronprinz und Infanterist. Leidet sehr an Weltschmerz und liebt, soviel der alte Philipp weiß, seine Stiefmutter hoffnungslos. Prinzessin Eboli, sehr heißblütig und reizbar, sonst aber äußerst nachsichtig mit den Schwächen des männlichen Geschlechts. Kasper, früher Aufwiegler in Berlin, jetzt Leibkoch bei der Prinzessin Eboli. Wie das Stück (und eigentlich auch Don Carlos) am Höhepunkt angelangt sind, singt Kasper gemeinsam mit der Königin Hulda über den (zeitweilig) aufgehängten Don Carlos: O Traurigkeit! O Herzeleid! Da hängt mein Carlos lang und breit Gern ging ich hin und schnitt ihn ab, Aber 's geht nicht, weil ich kein Messer hab." Ober das spätere Leben Sylvius Landsbergers weiß man nur wenig. Die, die ihn persönlich kannten, haben längst das Zeitliche gesegnet, und literaturfähig ist er nicht geworden; auch in keinem der großen vielbändigen Nachschlagewerke findet sich sein Name. Das Wenige, was uns von ihm und seinem Milieu bekannt ist, verdanken wir dem Chronistenfleiß Gotthilf Weissteins. Mitte der fünfziger Jahre gab Landsberger seine buchhändlerische Tätigkeit auf, um nur noch Stücke für Puppentheater zu schreiben: ernsthafte wie das historische „Esther", heitere wie das längst verschollene „Katze, Ratze, Zipperlein". Seine Persönlichkeit war sicher sehr interessant: er war strebsam, Autodidakt, las alles, kannte alles, war stets witzig, weise, oft boshaft, dabei alles andere als eine Schönheit — ein wohl innerlich nicht restlos glücklicher intellektueller Jude. Ende der fünfziger Jahre vertauschte er Berlin mit New York. Unter dem Pseudonym Livius Sandberg schrieb er eine Paro'die „Anton in Amerika", hatte aber ebensowenig Erfolg damit wie mit der Herausgabe „Jüdischer Unterhaltungsblätter". Später veröffentlichte er eine Reihe von Aufsätzen über Ludwig Büchners „Kraft und Stoff", über Bank- und Börsenfragen und andere Themen. An der Schwelle des Greisenalters fing er an, mit billigen, bunten Glasscheiben zu handeln; zuletzt wurde er Agent einer Lebensversicherung. Im Jahre 1901 starb er, in hohem Alter, in großem Elend, in tiefer Einsamkeit. 174

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