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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Marranengebete im Portugal des 20. Jahrhunderts
Date
1935-07-01
Page
169 (sequence 4)
Language
German
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Marranengebete im Portugal des 20. Jahrhunderts Das ungesäuerte Brot bäckt man in einer feierlichen Versammlung erst in der Nacht nach dem zweiten Sederabend, denn Pessach ist eins von den Festen, die im Zeitalter der Inquisition syerlegt worden sind, und es ist rührend, daß jene bedrängten Menschen, um das Gesetz ja nicht mehr zu verletzen, als unumgänglich notwendig war, an den beiden ersten Pessachtagen überhaupt kein Brot essen. Merkwürdig ist ein anderer Pessachbrauch. Die ganze Neuchristengemeinde versammelt sich am Ufer eines Flusses in der Umgebung der Stadt, um das folgende Gebet zu sprechen. Jeder bringt einen Ölzweig mit, und bei der Stelle „Dort naht Mose mit dem Stabe, Teilt das Meer mit seinem Schlage" schlagen alle mit ihren Zweigen auf das Wasser als Erinnerung an den Übergang der Hebräer über das Rote Meer. Die so geweihten Zweige werden aufbewahrt, um damit im folgenden Jahr die Öfen für das Backen des „Heiligen Brotes" anzuzünden. Gebet über die Wasser Am vierzehnten Tag des Mondes, Ersten Monates des Jahres, Bricht Das Volk auf aus Ägypten, Israel mein Bruder. Die Gesänge, die sie singen, Lob und Preis dem Höchsten bringen. Wohin führst du uns, o Mose? Hier in diese öde Wüste, Wo nicht Baum ist, nicht Getreide, Wo kein Vieh je auf der Weide? Laßt uns preisen unsern Gott, Der der Herr ist unsrer Führung! Dort naht Mose mit dem Stabe, Teilt das Meer mit seinem Schlage. In zwölf Bahnen tut sich's auf, Sicher geht mein Volk darauf. Sicher ist mein Volk geschritten, Wohin Gott der Herr es sandte, Es mit heiFgem Willen wandte. Gott erschuf vier Elemente, Himmel, Erde, Tag und Nacht. Herrlich hat er sie erdacht, So erhaben, auserlesen, 169

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