Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1935)
- Article
- Marranengebete im Portugal des 20. Jahrhunderts
- Date
- 1935-07-01
- Page
- 170 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895544-2905112--08092-2905164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Alice Berger: Marranengebete im Portugal des 20. Jahrhunderts Alle, soviel ihrer sind. Dies zu leugnen, war' vermessen: Er kann nehmen, er kann geben, Kann die Seelen neu beleben. Vater unser, Du Allmächtiger, Der geneigt ist zu vergeben: Wie Du David einst verziehn Seine Sünde an Bathseba, So erweise uns nun Gnade Und vergib auch mir; verzeih Israels gesamtem Volke, Wo es immer aW und sei! Sooft ein Marrane eine Kirche betrat, murmelte er vor sich hin, um vor dem Einen Gotte nicht sündig zu werden: In dies Haus tret' ich ein, Doch bete ich an weder Holz noch Stein, Nur Gott, der alles lenkt, allein. Bei den Marranen, für die in ihrer großen Bedrängnis Sündenbekenntnisse und das Flehen um die göttliche Verzeihung und um Errettung aus der täglichen Not am natürlichsten waren, sind Hymnen reinen Gotteslobes selten. Für diese Art von Gebetspoesie sei das zum Schluß folgende klangvolle kleine Morgengebet als Beispiel mitgeteilt: Stehet auf, ihr Mädchen, frühe, Seht, schon steigt empor der Tag. Loben wollen wir den Höchsten, Der uns Trost verleihen mag. Lobt den Herrn zur Geige Klang, Ganz ist Glanz er, ganz Gesang. Lobt den Herren, all ihr Kleinen, Mit den Stimmen, mit den feinen! Lobt den Herrn, ihr Mägdelein, Mit den Stimmen schön und rein! Lobt den Herren, ihr Vermählten, Mit den Stimmen, den erwählten! Lobt den Herrn, ihr Witwen alle, Mit der Stimmen klarem Schalle! Aller Liebe höchsten Herrn Lobt, ihr Mädchen, nah und fern! 170