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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 157

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Das Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft
Date
1935-07-01
Page
157 (sequence 10)
Language
German
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Das Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft mit dem Westen nicht möglich gewesen. Während aber der außerdeutsche Westen dem Judentum die Möglichkeit eröffnete, die alte Geschichtszeit zu konservieren oder ganz preiszugeben und dann in diesem zweiten Fall der Situation des alexandrinischen Judentums zu verfallen, war es in Deutschland, diesem Land zwischen Westen und Osten, diesem Lande, das Westen und Osten in sich selbst trägt, anders. Wie einst das Palästina der Pharisäer zwischen Babylon und Alexandria der Raum war, in dem das Judenjtum aus der Weltzeit des Orients in die Weltzeit des Abendlandes hinüberschritt, so fiel dem deutschen Judentum die Aufgabe zu, aus der Weltzeit des Mittelalters in die Weltzeit zu führen, die nicht mehr Mittelalter ist. In welcher Zeit steht das deutsche Judentum? Ist es gleichzeitig mit dem Judentum, das sich nach dem Zusammenbruch des jüdischen Hellenismus auf sein Judentum konzentrierte? Hier Ja sagen, heißt eine schöne Hoffnung zum Ausdruck bringen. Aber es ist gar nicht nötig, durch solche an die Zukunft rührenden Aussagen das zu erhärten, was gesagt werden muß. Wichtig ist es, heute dem deutschen Judentum zu sagen, daß es als deutsches Judentum — Judentum sein kann! Das deutsche Judentum ist gewiß nur eine geschichtliche Gestalt Israels. Israel ist ewig. Dieser Hinblick auf die Ewigkeit bedeutet aber nicht Gleichgültigkeit gegenüber der geschichtlichen Gestalt, so gewiß diese geschichtliche Gestalt immer zerbrach und immer zerbrechen wird. Die Ewigkeit Israels ist uns im geschichtlichen Raum anvertraut, und nur mit ihm verbunden können wir die Ewigkeit Israels bewahren. Wer daher das deutsche Judentum zu einem Ausharren aufruft, kann diesen Aufruf jüdisch legitimiert sehen. Es ist ein Ausharren in der ganzen religiösen Bedeutung des Wortes, ein Warten und Hoffen, nicht bloß ein Beharren. Dieser Gegensatz Ausharren — Beharren verwirrt die Situation eher. Die Zionsliebe, die den Juden nach Erez Israel bringt, hat mit den soziologischen und wirtschaftlichen Kräften, die als entscheidende Faktoren hinzukommen können, nichts zu tun. Die wirtschaftlichen Mächte sollen gar nicht geleugnet werden. Die Palästinawanderung hat auch ihre soziologischen Gründe. Aber sie ist deshalb als jüdische Bewegung nicht diskreditiert. Wie wir also dem Zionismus gegenüber eine Haltung im Sinne der materiellen Geschichtsbetrachtung ablehnen dürfen, die das, was uns an der zionistischen Bewegung heilig ist, als „ideologischen Überbau" ansieht, so müssen wir gegenüber dem Ausharren des deutschen Judentums ebenso gerecht sein. Es kann sicherlich so sein, daß es nur ein Beharren ist, wie auch die Palästinaidee in manchem neuen Zionisten nur eine Wirtschaftsentscheidung ist Es kann das sein. Aber es k a n n auch ein Ausharren sein, das ein Nicht¬ Aushalten-Können der Galutexistenz als unjüdische Entscheidung ablehnt. Dieses Ausharren ist geistige Entscheidung und nicht bloß 157

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