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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 152

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Das Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft
Date
1935-07-01
Page
152 (sequence 5)
Language
German
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lgnaz Maybaum solcher „religiösen" Opposition mit schuld. Der Zionismus ist mit dem Liberalismus, den er in sich hegt, noch nicht fertig geworden. Nun ist die Auseinandersetzung mit dem Liberalismus in dieser Weltstunde wirklich schwer. Die europäische Weltlage zeigt ein Ringen mit dem Liberalismus, und das Resultat wird nur langsam sichtbar. Aber daß wir nicht ins Mittelalter zurückschreiten können, ist ohne weiteres klar. Die Anerkennung der neuen Geschichtszeit zwingt uns auch als Juden zu Konsequenzen, die herauszuarbeiten die wichtige Aufgabe des jüdischen Liberalismus wäre, eine Aufgabe, die heute brach liegt. Die Positiv-Liberalen, die sich diese Erkenntnis errungen und sie auch seit dem Tod von Ludwig Tietz noch nicht vergessen haben, unterscheiden sich scharf von den sogenannten Gemeinde-Liberalen. Was jüdischreligiöser Liberalismus, dessen sich das Judentum nicht zu schämen braucht und zu dem es sich bekennen muß, sein kann, wissen heute nur wenige. Und doch bietet die jüdische Geschichte das Vorbild. Das rabbinische Judentum, das die griechische Kultur anerkannt hat, ohne in hellenistische Kulturseligkeit und Zivilisationsvergötzung zu versinken, ist das Vorbild für ein Judentum, das begreift — was auch das Christentum begreift —, daß der Weltweg der Offenbarung eine Bejahung des Westens von uns fordert. Den Westen, dem wir nicht verfallen dürfen, zu bejahen, also in dieser Bejahung von Kultur und Zivilisation Juden zu bleiben: auf diesem Wege liegt die Aufgabe, die dem religiös-liberalen Judentum aufgegeben ist. Diese Aufgabe löst das religiös-liberale Judentum auch für den Zionismus, der nur durch die Überwindung der mittelalterlichen Struktur des Judentums die Zionsliebe in den Strom einer geschichtlichen Bewegung hinüberführen kann. Der Zionismus kann an der Tatsache der Zeitwende nicht vorübergehen. Wer den Augenblick für eine Herzl-Renaissance für geeignet hält, versteht die Zeit nicht. Es ist falsch, von einem Sieg der zionistischen Ideologie zu sprechen, wenn man darunter den Nationalliberalismus Herzls versteht. Land Israel ist es, positives Judentum ist es, das der moderne Jude in sein Herz aufzunehmen bereit ist. Nicht von einem Sieg ist zu reden, sondern von einem Zusammenbruch. Das Pseudo-Judentum in seinen verschiedenen Formen ist zusammengebrochen. Aber in diesen Zusammenbruch stürzt nicht Weniges, das zur zionistischen Ideologie des 19. Jahrhunderts gehört, mit hinein. So ist die Zeit reif für die Frage: Was ist das Herzstück des Zionismus? Das Jüdische, das der Zionismus in Händen hält, und das ihn über Parteibegrenzung hinausführt, so daß er in diesem Punkt von jedem Juden als Juden Zustimmung fordern kann, ist die Zionsliebe. Zionsliebe und jüdischer Nationalismus ist nicht dasselbe. Die Zionsliebe ist im Judentum vorhanden, seit es ein Judentum gibt. Der jüdische Nationalis- 152

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