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Der Morgen · 1935-06-01 · Heft 3 (Juni 1935) · p. 133

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 3 (Juni 1935)
Article
Das hebräische Theater
Date
1935-06-01
Page
133 (sequence 2)
Language
German
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Das hebräische Theater wonnenen deutschen Neueinwanderer tief ergreifen mußte. Ferner brachte die „Habima" „Jud Süß" nach Feuchtwanger; vorher Shakespeare, Moliere, Shaw, Maugham, Rotari. Das „Ohel" ist ein Arbeitertheater. Ich sah die Truppe seit 1927 jetzt zum erstenmale wieder — noch immer probiert sie m ihrer ärmlichen Holzbaracke am Strande des Mittelmeers, aber wie ist ihre Darstellungskraft seitdem gewachsen! Damals war irgendein biblisches Stück in Vorbereitung. Heute wird Büchners „Danton" geprobt. Vorher spielte man die „Dreigroschenoper", ferner, neben anderen, Karel Capek, Stefan Zweig. - Man nimmt also Stücke, die sich auf den Bühnen anderer Länder bewährt haben. Doch das hebräische Theater will, wie jedes Theater von Bedeutung, nicht nur Unterhaltungsbühne, sondern Kampftribüne aller Gegenwartsprobleme sein, moralische Institution, Wegweiser in die Zukunft, Fahnenträger des Geistes. Und dabei kommt den importierten Stücken nur geringe Bedeutung zu. Die hebräischen Theaterleute wissen das. Besonders die „Habima'' sucht gute Stücke mit der Laterne. Stücke, die vor allem den rapiden Aufbau Palästinas zum Gegenstand haben. Die Leitung des Theaters ermuntert jeden, der eine Schreibmaschine leidlich zu bearbeiten versteht. Aber die meisten Palästina-Bedichter werden vom zweiten Akt an sentimental, das haben sie anscheinend von den auf einer pathetischen Prosa herumreitenden Reisebeschreibern gelernt. Jetzt lockt ein Preisausschreiben die in Palästina noch spärlicher als anderswo bezahlten Poeten. Hundert Pfund sind zu verdienen. Das heilige Land hat schon mancherlei Wunder erlebt, beglaubigte und unbeglaubigte, aber ob sich Dichtungen aus seinem Boden stampfen lassen? Dichtung erfordert Abstand. Was man erlebt, läßt sich im Augenblick des Erlebens nur erzählen. Was heute in Palästina geschieht, ist zu gewaltig, als daß es heute auch schon Dichtung sein könnte. Es ist Stoff zur Reportage, nicht mehr. Und so ist es zu erklären, daß eines der theaterbegabtesten Völker der Welt am Ort seiner Eigenständigkeit im Augenblick trotz einzelner Zufallstreffer versagt. Es ist somit offenbar, daß das hebräische Theater in Palästina jetzt nur eins tun kann: die äußeren Symptome der jüdischen Renaissance sammeln und herausstellen. Dazu ist nichts weiter nötig, als die für den Aufbau des Landes typischen Erscheinungen dramatisch aufzuzeichnen. Im Mcdhefi erschien u. a.: Eine Forderung: Wissenschaft 1 / Ignaz MoYbaum, Franz Rosenzweigs Vermächtnis / Helen Rosenau, Frühjüdische Architektur / Paul Wohlfarth, Ekklesia und Synagoge | Paul Bornstein, Friedrich Hebbel und Emil Kuh / Werner Kraft, Zu Franz Kafkas .Traum* Im Julihefi schreiben u.a.: Ignaz Maybaum, Das Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft / Fritz Heinemann, Die Erscheinung des jüdischen Geistes. Eine Aufgabe jüdischer Philosophie / Aüce Berger, Marannengebeie im heutigen Portugal 133

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