Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1935)
- Article
- Lösung und Lösungen
- Date
- 1935-06-01
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895543-2905022--07994-2905056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lösung und Lösungen Judenschaften ausschließt. „Eine Schlacht ist erst verloren, wenn man sie verloren glaubt", ist ein Wort, das von dem französir schen Generalstabschef Foch zitiert wird; man weiß, daß diese Auffassung in mancherlei geschichtlichen Situationen nicht ohne Wirkung geblieben ist, selbst wo es sich, wie hier, nicht um einen Kampf zwischen gleichwertigen Gegnern, sondern um die Hinnahme gesetzgeberischer Akte handelt. Tatsächlich stellt sich die Lösung der deutschen Judenfrage nicht so einfach dar. Ihre Reichweite ist erheblich größer als die des deutschen Judentums selbst. „Deutschlands geistige Stellung in der Welt, seine Bedeutung als Weltwirtschaftsmacht und seine politische Geltung unter den Völkern wird nicht zuletzt davon wesentlich bestimmt werden, wieviele Menschen auf der Erde Deutsch verstehen und sprechen", schreibt der kürzlich veröffentlichte Arbeitsbericht der Deutschen Akademie in München. Die Stellung der deutschen Juden als Vorkämpfer der Emanzipation hat es seit dem 19. Jahrhundert mit sich gebracht, daß die Juden fast der ganzen Welt. Deutsch sprachen oder verstanden und damit bewußt oder sogar unbewußt zu Deutschlands Verbündeten wurden. Damit reichte eine deutsche Einflußsphäre tatsächlich weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus, im Osten bis tief nach Rußland hinein, nach Südosten fast über den ganzen Balkan, und selbst nach Amerika. Das hat sich etwa im Weltkrieg in Ludendorffs jiddischem Aufruf an die polnischen Juden, nach dem Krieg in mancherlei Verhandlungen mit Amerika gezeigt. Prag z. B. verdankte seinen deutschen Charakter neben einer schmalen Beamtenschicht wesentlich der kulturellen Bedeutung der Juden, und es ist nicht so paradox, wie es scheinen mochte, daß sich noch in den letzten Wochen nationaltschechische Kundgebungen gegen Deutsche und Juden richteten. Diese innere Verbundenheit fing bei der Sprache an, dehnte sich dann aber auch über alle anderen Gebiete aus. Und sie blieb durchaus nicht auf bloße Sympathien 99