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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 78

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Friedrich Hebbel und Emil Kuh
Date
1935-05-01
Page
78 (sequence 5)
Language
German
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Paul Bornstein wie mir deucht, eine Position in der Welt einnehmen? — „Denken Sie darüber nach!" — Ich gab eine vehemente Antwort. Hebbel redete von Mißdeutungen, die ich seinen Ausdrücken angedeihen ließ, und wir brachen das Kapitel ab. Gegen Kolatschek2) erlaubte er sich wieder die Äußerung: „Kuh wird in seinen Zwecken von seiner Frau geniert, seine Frau von ihm, es wäre besser, wenn die Beiden es versuchten, einige Jahre hindurch, Jedes für sich, den Lebensweg zu gehen und falls die Liebe dann noch anhalte, so könnten sie sich wieder vereinigen." Ich war rasend, als ich dies vernahm, ebenso meine Frau, und ein an sich höchst unwichtiger Vorfall, den ich gleichsam in der Straße provocirte, brachte das volle Glas zum Überquellen. Ich sandte Hebbel Bücher und Papiere, die ich von ihm hatte, ohne eine Zeile zurück und schnitt das Verhältnis mitten durch, und zwar für immer. Der elfjährige Freund Hebbel, der Poet Hebbel, der Mensch Hebbel hatte den Muth, mir obigen Schmutz ins Haus schleudern zu wollen, meine Frau, die über alle Maßen treu, lauter und gut ist und an der ich mit den tiefsten und feinsten Empfindungen hänge, zu verdächtigen___Doch genug davon! Gesellschaftliche Eifersüchtelei, wiewohl sie Hebbel nicht ganz fremd war, reicht nicht aus, seine verhängnisvollen Worte zu erklären. Daß er, gegen Adele gereizt wie er war, mit seinem „Denken Sie darüber nach!" Kuh andeuten wollte, der Fürst komme nur seines Weibes willen in sein Haus, ist nicht zu bezweifeln. Und das bedeutete in jedem Falle eine bedauerliche Entgleisung und läßt uns Kuhs schwere Bitterkeit mindestens begreifen. Auch kann man wirklich nicht Menschen, die ungeachtet wirtschaftlicher Widerstände in glücklichster Ehe lebten und ein Kind ihr eigen nannten, immer wieder direkt oder indirekt auffordern, sich zu trennen. Hebbel war nun einmal kein Freund von Eheschließungen seiner Jünger; Karl Werner war es vordem ähnlich, nur nicht so schlimm ergangen. Frenzel urteilte nicht anders; er antwortet: „... Das ist ein häßlicher, abscheulicher Zug, den Du mir da von Hebbel erzählt hast, selbst, wenn ich billig etwas von Deinem gerechten Unwillen abziehe. Deine Frau ist mir immer wie ein holdes und liebes Bild erschienen, das man soviel wie möglich von dem Staub des Lebens entfernt halten muß .. .in so fern ist mir allerdings Hebbels Benehmen unerklärlich. Daß sie ihn nicht genug verehrt, mag ihn vielleicht verletzen, mag seinerseits seine Abneigung entschuldigen___aber solcher Ausfall gegen sie. Sag Frau Adelen, daß sie in mir einen ihrer Ritter finden wird. Die Geschichte hat mich so verstimmt, daß ich Augenblicks nicht im Stande bin, den Essay über Hebbel in Ordnung zu bringen ..." Man sieht: was hier zerbrach, war menschlich nicht mehr zu halten. In Hebbels Leben griff der Bruch mit schneidender Schärfe ein. Ihm, von seinem Standpunkt aus, mußte Kuhs Handlungsweise nach allem, was er gerade geistig für ihn getan hatte — noch kurz zuvor hatte er sich seinetwegen mit Gutzkow überworfen — als Verrat und schnöde Undankbarkeit erscheinen, und aus Tage- 2) Ein Hebbel nahestehender Wiener Literat, Herausgeber der Zeitschrift „Stimmen der Zeit". 78

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