Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1935)
- Article
- Friedrich Hebbel und Emil Kuh
- Date
- 1935-05-01
- Page
- 77 (sequence 4)
- Language
- German
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Friedrich Hebbel und Emil Kuh eingenommen gegen Adele. Man fühlt, wie über den dreien langsam die Atmosphäre sich elektrisch lud, bis Anfang Januar 1860 der zündende Blitz in die geballten Wolken schlug. 1859 hatten zwei mäzenatisch ehrgeizige polnische Fürsten Czartoryski in Wien eine Zeitschrift unter dem Titel „Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik" gegründet. Hebbel meint: weniger wegen der Vorgänge vor, als hinter den Kulissen. Kuh arbeitete an dieser Zeitschrift mit und wurde auch in redaktionellen Angelegenheiten gehört. Der jüngere der Brüder, Fürst Georg, schätzte Kuh und besuchte ihn gelegentlich in seinem Hause. Hier setzt Kuhs Brief an Frenzel vom 23. Februar 1860 ein. Die konkreten Gründe des Zerwürfnisses zwischen Hebbel und Kuh kannten wir bisher nicht; hier erfahren wir sie erstmals. Bei der zentralen Stellung, welche die Beziehungen zu Kuh in Hebbels Leben einnehmen, handelt es sich da keinesfalls um die Aufdeckung überflüssiger Personalien. Kuh schreibt: Du darfst mir nicht zürnen, lieber Karl, daß ich Dir erst heute über die Motive, welche mich bestimmten, mit Hebbel zu brechen, Einiges mittheile, denn Du mußt es begreiflich finden, daß ich in der Zeit, als in mir noch alles gegen den Mann kochte ..., die unangenehme, häßliche Angelegenheit nicht näher beleuchten wollte. Es ist nicht leicht, auch nur oberflächlich Dich über die Sache aufzuklären, denn Derartiges kann man eigentlich bloß in einem bogenlangen Promemoria, oder mündlich auseinander setzen. Der egoistische Zug, der durch Hebbels Natur geht, stellt sich als die Grundwurzel unseres Zerwürfnisses dar, und leider, ich schäme mich, es auszusprechen, gesellte sich zu den massenhaften Rücksichtslosigkeiten, die sich Hebbel in der letzten Zeit wieder gegen mich zu schulden kommen ließ, ein entschieden gemeines Benehmen. Schon seit Monaten äußerte er sich bei den verschiedensten Anlässen in einer Weise über meine Frau, die stets voll Achtung und Zuvorkommenheit gegen ihn und die Seinen war, aber in seiner Gegenwart keine „ersterbende" Demuth zeigte, daß ich mir unzählige Male die stärkste Gewalt anthat, nicht aufzufahren und arge Scenen herbeizuführen. Nun fügte es sich vor zwei Monaten ungefähr, daß der Fürst Czartoryski, der oft mein Haus besucht, und auf das herzlichste mit mir und meiner Frau verkehrt, Hebbels Belcanntschaft bei mir machte. Der Fürst war übrigens von Hebbels Persönlichkeit nicht sehr angenehm berührt worden und Hebbel verdroß es innerlich, daß der Fürst ihn nicht gleich nach dem Begegnen mit ihm besuchte, sondern sich einfach darauf beschränkte, Hebbel, wenn er diesen an einem öffentlichen Ort traf, freundlich zu grüßen und ein Paar Worte mit ihm zu wechseln. Ich meinerseits durfte mir schmeicheln, energischen, hie und da bestimmenden Einfluß auf die Haltung der „Recensionen", Hebbel betreffend, genommen zu haben, was Hebbel aber ebenso wenig, als Anderes, was ich für ihn uneigennützig und freudig that, anzuerkennen schien. Alles sah er als eine Pflicht von mir an. Nichts entlockte ihm einen Ton der Innigkeit. Eines Nachmittags sprach Hebbel mit mir über den Fürsten Czartoryski und unterstand sich, die Worte hinzuwerfen: „Kommt es Ihnen nicht sehr sonderbar vor, daß dieses Individuum gerade mit Ihnen so intim sich stellte, da doch ich und meine Frau ebenfalls, 77