Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1935)
- Article
- Friedrich Hebbel und Emil Kuh
- Date
- 1935-05-01
- Page
- 76 (sequence 3)
- Language
- German
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Paul Bornstein 1856 Friedrich Halm ihn testamentarisch zum Verwalter und Editor seines Nachlasses bestellt hatte. Ohne Zweifel erfreute sich schon damals Kuh eines beträchtlichen schriftstellerischen Rufes. So finden wir ihn, dem ein besonders sympathisches Auftreten eignete, in der Anhaltstraße bei Hans und Cosima von Bülow, wo er mit Liszt zusammentraf, und unter den Zelten bei den Arnims, wo er Bettinen über Goethe sprechen hörte und Gisela und deren Gatten Herman Grimm kennen lernte. Von diesem führte der Weg zu Jacob und Wilhelm Grimm. Kuh hat uns eine ungemein liebenswürdige briefliche Schilderung seines Besuchs in der „Bücherhöhle" der beiden großen Brüder hinterlassen. Vor allem aber fällt in diese Zeit die Anknüpfung der Duz- und Lebensfreundschaft mit Karl Frenzel1). Auf ungedruckte Briefe Kuhs an Frenzel stützen sich im wesentlichen die folgenden Ausführungen. Im Mai 1858 war Kuh in Berlin zum Katholizismus übergetreten. Das war nötig, um die Eheschließung in Österreich zu ermöglichen; selbst Hebbel, der sonst „jedes Renegatentum haßte", fand es nicht tadelnswert. Anfang Juni dann kehrten die beiden nach Wien zurück, wo sie am 28. September heirateten. Trauzeugen waren Hebbel und Kuhs Jugendfreund, der Musiker Debrois van Bruyck. So waren denn Hebbel und Kuh örtlich einander wieder nahegerückt: aber unter wie völlig veränderten menschlichen Verhältnissen! Für Kuh steht Hebbel nicht mehr an erster Stelle. „Hebbel", schreibt er schon am 3. Juni an Frenzel, „spielt die alte Rolle ... Ich bin aber nicht mehr, wenn es sich um Weib und Kind handelt, der Alte". Kuh sieht sich vor die Aufgabe gestellt, sich eine Existenz zu schaffen, was durch schriftstellerische Arbeit zunächst nicht möglich war. Hebbel schlägt ihm nun vor, wieder zu seinem Onkel nach Troppau zu gehen und sich von Adele zu trennen. Dieser Rat traf Kuh schwer. 24. Juni an Frenzel: „Hebbel ist der festen Meinung ..., ich trennte mich vielleicht für Jahre von meiner Adele, indem, wie er sich ausdrückte, nicht einmal Mann und Weib die Berechtigung hätten, in allen Lagen des Lebens zusammenbleiben zu wollen. Natürlich erwiderte ich auf diese Phrasen kein Sterbenswörtchen, da ich nicht einsehe, warum ich meinen Taten immer und ewig verkündende Prologe vorausschicken soll". Und tiefer noch verletzte Hebbels Rat Adele Kuh. Es ist durchaus begreiflich, daß der entscheidende Zusammenstoß sich zwischen Hebbel und Adele vorbereitete. Freund und Gattin rangen eifersüchtig um den Alleinbesitz des zwischen ihnen stehenden Mannes, keiner von beiden dem andern gewogen, Hebbel entschieden vor- J) Max Osborn hat als Frenzeis Nachlaßverwalter wie den gesamten Nachlaß so auch die Briefe Kuh's an Frenzel — es sind etwa 120 — an das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar überwiesen, von wo sie mir Max Heck er vertrauensvoll ins Haus schickte. Beiden sage ich hier meinen verbindlichen Dank. 76